Neues Abtreibungsgesetz in Polen: 30-Jährige stirbt, nachdem ihr eine Abtreibung verwehrt wird

Dieser Fall erschüttert derzeit unser Nachbarland Polen. Eine Frau stirbt im Krankenhaus, nachdem das Personal ihr eine Abtreibung verweigert hat. Dies geschah aus Angst, wegen des neuen Abtreibungsgesetzes, das im Januar in Kraft getreten ist, verklagt zu werden.

Neues Abtreibungsgesetz in Polen: 30-Jährige stirbt, nachdem ihr eine Abtreibung verwehrt wird
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30 Jahre - So alt ist Izabel, als sie stirbt. Die Polin ist im September wegen eines Problems in ihrer Schwangerschaft ins Krankenhaus gekommen. Das medizinische Personal hätte eine Abtreibung vornehmen können, um ihr Leben zu retten. Aber es wurde nichts getan. Warum? Aus Angst, wegen der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs verklagt zu werden. Dieser Fall sorgt für viel Empörung.

Eine Abtreibung, die sie hätte retten können

In der 22. Schwangerschaftswoche wird Izabel damals ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem Fruchtwasser austrat, eine sehr gefährliche Situation für die Mutter. Darüber hinaus wies der Fötus mehrere Fehlbildungen auf. Die verängstigte Izabel wartet mehrere Stunden, bis man sich endlich um sie kümmert.

"Mein Fieber steigt. Ich hoffe, dass ich keine Blutvergiftung bekomme, sonst schaffe ich es nicht", schreibt sie noch in einer SMS. Einige Stunden später stirbt sie tatsächlich an einem septischen Schock. Wie die Anwältin für ärztliche Kunstfehler, Jolanta Budzowska, betont, "warteten die Ärzte auf den Tod des Fötus". Diese Situation ist eine direkte Folge der jüngsten Abtreibungsgesetze, die im Januar in Kraft getreten sind.

Dieses Gesetz sieht vor, dass eine Abtreibung nur bei Vergewaltigung und Gefahr für das Leben der Mutter erlaubt ist. Bei Fehlbildungen des Fötus ist sie jedoch nicht zulässig. Wird die Abtreibung trotzdem durchgeführt, drohen dem Arzt bis zu drei Jahre Gefängnis.

Das erste Opfer des Abtreibungsgesetzes

Nach dem Tod von Izabel, die eine 9-jährige Tochter hinterlässt, schließen sich viele Verbände zusammen. Anfang November finden Demonstrationen statt, um gegen das polnische Abtreibungsgesetz zu protestieren. Für feministische Organisationen ist Izabel das erste Opfer dieser neuen Gesetzgebung. Und sie sind sich sicher: Es wird noch weitere geben.

Dieses Gesetz hat in der Tat eine abschreckende Wirkung auf das medizinische Personal. "Mit dem neuen Gesetz zögern sie mehr, bevor sie tatsächlich eine Abtreibung durchführen. Sie könnten gefragt werden, ob die Gesundheit der Mutter wirklich in Gefahr ist, und sie würden strafrechtlich verfolgt werden", erklärt Miko Czerwinski von Amnesty International Polen gegenüber der französischen Zeitung Liberation.

Ein noch schärferes Abtreibungsgesetz auf dem Weg?

Während viele Frauen gegen die Anti-Abtreibungsgesetze in Polen kämpfen und demonstrieren, kämpfen ihre Gegner noch erbitterter. Die Gruppe Pro Life Foundation zum Beispiel hat einen neuen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der Gefängnisstrafen von bis zu 25 Jahren für diejenigen vorsieht, die illegale Abtreibungen vornehmen. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung eines totalen Abtreibungsverbots in Polen, das dramatische Folgen für Frauen haben könnte.

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