Auf dem Weg in ein neues Leben: Bärin aus Gallefarm gerettet

Die internationale Tierschutzorganisation Four Paws hat ein neues Video veröffentlicht, auf dem eine asiatische Schwarzbärin zu sehen ist, die ihre ersten Schritte in ihrer neuen Umgebung macht. Der Bärin namens Hai Chan waren die Tatzen an den Vorderbeinen amputiert worden, bevor sie im November aus einer Bärengallenfarm in Vietnam gerettet werden konnte.

Auf dem Weg in ein neues Leben: Bärin aus Gallefarm gerettet
Weiterlesen
Weiterlesen

Für diese Bärin, die so schlimm misshandelt wurde, fängt jetzt ein wohlverdientes neues Leben an. Hai Chin ist eines der vielen Opfer eines grausamen Handels. Sie wurde zehn Jahre lang auf einer Bärengallenfarm in Vietnam auf schlimmste Weise missbraucht. Dort werden die Bären in winzigen Käfigen gehalten, um ihnen regelmäßig Galle abzuzapfen. Bärengalle wird von der traditionellen chinesischen Medizin als Heilmittel gepriesen.

Obwohl diese Gallefarmen illegal sind, werden sie insbesondere in Vietnam seit der Jahrhundertwende vermehrt betrieben. Nach Angaben der NGO Animal Asia soll es 2005 dort an die 4300 Gallenfarmen gegeben haben. Die Bären kommen dort meist schon ab jungem Alter in erbärmliche Käfige, nachdem die Bärenmutter getötet wurde. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat die vietnamesische Regierung mehrfach versucht, diese grausamen Praktiken zu beenden.

In Zusammenarbeit mit der Tierschutzorganisation Animal Asia haben diese Bemühungen im Juli vergangenen Jahres ihre ersten Früchte getragen. Vietnam ist mit der NGO eine Koalition eingegangen, um mehr als 1000 dieser auf Gallenfarmen gehaltener Bären zu befreien. Hai Chan ist ein trauriges Beispiel der Konsequenzen, die diese Bärengallenindustrie für Tiere wie sie hat. Im November konnte die Bärin dann schließlich von Four Paws, einer anderen Tierschutzorganisation, befreit werden.

In einem jämmerlichen Zustand

Als die Tierschutzorganisation eingreift, ist Hai Chan in einem jämmerlichen Zustand. Sie vegetiert in einem winzigen, kaum belüfteten Käfig und hat verschiedene Verletzungen infolge des Galle-Abzapfens, Unterernährung und Stress. Dazu kommt, dass ihr die beiden vorderen Tatzen abgenommen wurden. Wahrscheinlich um im asiatischen Raum leider immer noch gepriesenen Bärentatzenwein daraus herzustellen.

Nach ihrer Befreiung kommt die Bärin in das im Nordosten Vietnams gelegene Bärenreservat Ninh Binh, wo sich Pfleger und Tierärzte sechs Wochen lang ihrer annehmen, zunächst in Quarantäne, dann im eigentlichen Bärenhaus… Und schließlich kommt für sie der große Tag: Hai Chan darf ins Außengehege!

Mitte Dezember macht die Bärin ihre ersten Schritte im Außengehege des Bärenreservats und entdeckt endlich die Natur. Die Szene wird gefilmt und ihr könnt sie im Video miterleben. „Es war ein ergreifender Moment für das ganze Team, als die Türen zum Außengehege aufgingen und Hai Chan zum ersten Mal die Freiheit entdeckte“, gesteht Szilvia Kalogeropoulu, die Tierärztin von Four Paws, in einer Pressemitteilung.

Ein neues Leben

„Hai Chai kann zum ersten Mal im Leben Gras unter den Tatzen spüren. Trotz ihrer fehlenden Vordertatzen gelingt es ihr, auf den ihr verbleibenden Hintertatzen und den Stümpfen ihrer vorderen Gliedmaßen zu laufen. Wir haben immer darauf vertraut, dass sie laufen und mit ihrer Behinderung zurechtkommen würde. Doch es grenzt an ein Wunder, dass sie die Kraft gefunden hat, das so schnell zu schaffen,“ fügt sie noch hinzu.

Schon kurz nach ihrer Rettung haben die Tierärzte erste Anzeichen von Besserung bei ihr beobachtet. Die Bärin erwacht aus ihrem lethargischen Zustand. Sie hatte sich schon aufgegeben. Nach und nach zeigt sie Interesse und Neugierde. Ihre physische und psychische Besserung bestätigt sich im Laufe der Wochen. Jetzt hat sie eine eigene, ihrer körperlichen Verfassung angepasste Hängematte und Strukturen, die ihre Neugierde und ihre körperliche Entwicklung stimulieren.

Sie ist begeistert von der für sie neuen Nahrung, die sie hier bekommt, insbesondere mit Wasser, Spinat und Äpfeln. Sie genießt den Komfort und macht sich gern ein Nest zum Kuscheln, in dem sie tagsüber schläft. Hai Chan ist jetzt ruhig und glücklich mit ihren Pflegern“, erzählt Szilvia Kalogeropoulu. Sehr bald wird sie vielleicht auch schon neue Mitbewohner bekommen.

Das Team des Bärenreservats plant eine Zusammenführung mit zwei Artgenossen, Thai Van und Thai Giang, ebenfalls von Four Paws aus einer Bärengallenfarm geretteten Bären. Nach Angaben der Organisation soll es in Vietnam noch mehr als 1300 Bären in an die 400 Bärengallenfarmen geben, die ihre blühenden Geschäfte vor allem im Internet abwickeln. Tierfreunde können weltweit eine Petition unterschreiben, um die vietnamesische Regierung dazu zu ermutigen, ihre Bemühungen fortzusetzen und Bärengallenfarmen endgültig zu schließen.