Kükenschreddern: Neue Technik soll dem Grauen ein Ende bereiten

Etwa 45 Millionen männlicher Küken werden in Deutschland jedes Jahr getötet, auch 2019 wieder. Der Grund: Hähne können keine Eier legen und werfen weniger Fleisch ab. Eine neue Technik könnte Abhilfe schaffen.

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Letztes Jahr hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein wichtiges Urteil gefällt, mit dem Tierschützer allerdings nur bedingt zufrieden sein können. Denn einerseits gewichtet das Gericht das Tierwohl höher als das wirtschaftliche Interesse der Aufzuchtbetriebe. Andererseits bleibt die massenhafte Tötung männlicher Küken weiter erlaubt.

So wurden auch im Jahr 2019 wieder 45,3 Millionen männlicher Küken aussortiert und getötet. 2018 waren es noch 42 Millionen Tiere, so das Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Tötungen sind rein wirtschaftlich motiviert. Die Aufzucht von Hähnen lohnt nicht: Sie legen keine Eier und werfen weniger Fleisch ab als Hennen.

So sieht es aus, wenn Küken am Fließband auf ihr Geschlecht untersucht werden. Getty Images

Neue Technik gibt Hoffnung

Die baldige Marktreife einer neuen Technik gibt jedoch Hoffnung. Sie soll es ermöglichen, das Geschlecht von Küken bereits kurz nach der Befruchtung im Ei bestimmen zu können – und nicht erst nach dem Schlüpfen. Die männlichen Küken müssten dann gar nicht erst ausgebrütet werden.

Auch der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) setzt auf dieses Verfahren. Dem Verband zufolge sollen bald erste Maschinen zum Einsatz kommen. Das Aussortieren und die anschließende Tötung der männlichen Küken ist für Verbandspräsident Friedrich-Otto Ripke ein „ethisch großes Problem“.

Deutschland als Vorreiter

Derzeit werden erstmalig in Deutschland zwei Verfahren getestet, durch die die frühzeitige Geschlechtsbestimmung möglich sei, so Ripke weiter. Die männlichen Eier werden dann zukünftig wenige Tage nach der Befruchtung aussortiert und anderweitig für die Lebensmittelindustrie verarbeitet.

Allerdings warnt Ripke auch davor, zu hohe Erwartungen zu stellen. Ripke erklärt: „Eine solche Innovation ist nicht von heute auf morgen in allen Betrieben umzusetzen. Wir müssen Brütereien Zeit einräumen.“ Die Kosten für eine solche Maschine seien noch nicht vorhersehbar, gegebenenfalls müsse man über staatliche Förderungen zur Anschaffung nachdenken.

Ähnlich sind die Überlegungen, die dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zugrunde liegen. Ein Ende der Kükentötungen ist greifbar nah – und doch so fern.