"Es ist wie auf Zalando": Immer mehr Menschen bestellen Haustiere übers Internet
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"Es ist wie auf Zalando": Immer mehr Menschen bestellen Haustiere übers Internet

Mittlerweile sind wir es gewohnt, so ziemlich alles online bestellen zu können. Doch ein neuer Kauf-Trend, vor dem Tierschützer jetzt eindringlich warnen, schockiert: Haustiere werden auf Webseiten erworben wie Schuhe!

Es sind Geschichten wie die des kleinen Bullterriers Beyil, die Tierliebhabern das Herz brechen. Der süße Welpe slowakischen Ursprungs ist gerade einmal 16 Wochen alt, als er von drei Jugendlichen aus Basel über die Webseite einer zwielichtigen Organisation gekauft wird. Treffpunkt der Übergabe: Bahnhof.

Online-Handel zerstört Tierleben

Doch schon wenige Stunden später klingelt das Telefon von Nadja Wütherich. Die Mitarbeiterin vom Tierschutzbund Basel Regional ist entsetzt. Gegenüber 20 Minuten skizziert sie den Verlauf des Gesprächs:

Der Hund muss weg, haben sie gesagt. Sie sagten, er folge und laufe noch nicht an der Leine, sei nicht stubenrein und könne sonst auch nichts.

Was soll man auch sonst von einem wenige Wochen alten Hund ohne Erfahrung im Umgang mit Menschen erwarten? Nach einer vermutlich strapaziösen Reise von der Slowakei in die Schweiz sitzt der arme Beyil nach einigen kurzen Stunden also wieder ohne Besitzer da. Ein tiergerechtes Leben sieht anders aus.

Zwielichtige Tier-Händler mit kriminellen Machenschaften

Doch der kleine Beyil ist leider kein Einzelfall, wie Wütherich erklärt. Organisation, deren Existenz übrigens offiziell noch nicht verboten wurde, verkaufen in Online-Shops unter denkbar fürchterlichen Bedingungen Hundewelpen nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

Die Tierschützerin geht zudem davon aus: Der steigende Trend von in Tierheimen abgegebenen Haustieren nach dem Lockdown ist auch auf den voranschreitenden Online-Handel zurückzuführen. "Die Leute haben während der Krise wahrscheinlich besonders viel Zeit gehabt, sich ein Tier zu kaufen", vermutet sie.

Tiere kaufen wie auf Zalando

Die großen Verlierer des Tier-Booms sind die unglücklichen Wesen selbst. Was ist ihr Leben noch wert, wenn sie innerhalb kürzester Zeit gekauft und wieder abgegeben werden? Mit bitterem Lächeln vergleicht Wütherich:

Es ist wie auf Zalando: Die Leute suchen, was sie wollen, und bestellen es. Nur handelt es sich hier nicht um Schuhe, sondern um Tiere. Das ist schrecklich!

Schon seit längerem setzt sich die passionierte Hundeliebhaberin deswegen dafür ein, eben solche Webseiten in den europäischen Ländern verbieten zu lassen. Bislang ohne Erfolg...

Von Sarah Kirsch

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