"Keine Überraschung": Schweine können mit ihren Schnauzen Videospiele spielen

Wissenschaftler machen einen erstaunlichen Fund: Schweine können so viel mehr, als nur grunzend durch ihre Käfige zu laufen. Die intelligenten Vierbeiner lieben es nämlich offensichtlich auch, Videospiele zu spielen...

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Schweine dienen dem Menschen seit Jahrtausenden, insbesondere für ihr Fleisch. Dass sie nicht nur schmackhaft, sondern auch extrem intelligent sind, haben schon zahlreichen Studien gezeigt. Schweine können Videospiele spielen, finden Wissenschaftler heraus, nachdem sie vier lebenslustige Schweine auf die Probe stellen, wie BBC.com berichtet. Die vier Schweine Hamlet, Omelette, Ebony und Ivory wurden darauf trainiert, mit einem Joystick im Arcade-Stil einen Cursor auf bestimmte Zielpunkte auf dem Bildschirm zu steuern.

Schweine zocken gerne - auch für die soziale Interaktion

Wie die Forscher erklären, ist die Tatsache, dass die Schweine die Verbindung zwischen dem Joystick und dem Spiel verstehen, "keine Kleinigkeit". Die Schweine spielen sogar weiter, als der Futterprämienspender kaputt geht - anscheinend wegen des sozialen Kontakts.

Normalerweise erhalten die Schweine nämlich eine Futterbelohnung, wenn sie ein Level "gewinnen". Aber während des Tests geht die futterspendende Maschine prompt kaputt - und siehe da: Sie spielen dennoch bis zum Ende weiter, wenn die Forscher sie nur anfeuern, loben oder streicheln. Die Hauptautorin der Studie, Dr. Candace Croney, appelliert daher an uns:

Diese Art von Studie ist wichtig, denn wie bei allen empfindungsfähigen Lebewesen hat die Art und Weise, wie wir mit Schweinen umgehen und was wir ihnen antun, Auswirkungen und ist von Bedeutung. Wir haben daher eine ethische Verpflichtung, zu verstehen, wie Schweine Informationen erwerben und wie sie in der Lage sind, zu lernen und sich zu erinnern, weil das letztlich Auswirkungen darauf hat, wie sie ihre Interaktionen mit uns und ihrer Umgebung wahrnehmen.

Das Forscherteam findet zudem die Tatsache, dass die Schweine überhaupt Videospiele spielen können (da es sich um weitsichtige Tiere ohne Hände oder Daumen handelt) ziemlich "bemerkenswert", wie es in seinem Bericht vermerkt. Auch wenn es ihnen nicht leicht fällt: Von den beiden Yorkshire-Schweinen ist Hamlet besser im Spiel als Omelette, aber beide haben etwas Probleme, wenn es schwieriger wird.

"Ich glaube nicht, dass dies jemanden überraschen wird, der mit Schweinen arbeitet"

Die Panepinto-Mikroschweine performen nicht ganz so gut: Während Ivory 76 % der Zeit die Ziele treffen kann, ist Ebony dies nur in 34 % der Zeit möglich. Die Forscher sind dennoch zufrieden, da das Spiel aller Teilnehmer eher bewusst und zielgerichtet als beliebig war - was sie "mehr als zufällig" nennen. Was bedeutet, dass "bis zu einem gewissen Grad alle den Zusammenhang zwischen Joystick und Cursorbewegung verstanden haben".

Kate Daniels von der Willow Farm in Worcestershire berichtet gegenüber der Sendung Today von BBC Radio 4, dass auch wenn Wissenschaftler beeindruckt sind: "Ich glaube nicht, dass dies jemanden überraschen wird, der mit Schweinen arbeitet." Und weiter: "Sie spielen kein Minecraft - aber dass sie eine Situation manipulieren können, um eine Belohnung zu erhalten, ist überhaupt keine Überraschung."

"Schweine sehen dir direkt in die Augen"

Die traurige Realität im Leben eines Schweines Jo-Anne McArthur@Unsplash

Des Weiteren paraphrasiert sie ein Zitat, das Winston Churchill oft zugeschrieben wird: "Hunde sehen zu dir auf, Katzen sehen auf dich herab und Schweine sehen dir direkt in die Augen." Daniels fügt hinzu: "Wenn Sie einem Schwein direkt in die Augen schauen, können Sie erkennen, dass dort Intelligenz vorhanden ist."

Ursprünglich wurde das Experiment übrigens für Affen konzipiert. Trotzdem sind Schweine beim Videospielen nicht mit Menschen zu vergleichen - oder mit weniger intelligenten Primaten. Die gleiche Art von Experiment wurde nämlich auch mit Schimpansen und Affen durchgeführt. Diese haben natürlich den Vorteil gegensätzlicher Daumen und sind so in der Lage, viel höhere Anforderungen von Forschern zu erfüllen.

Die wirklich relevante Frage sollte sein, ob sie leiden können

Die ethisch wirklich relevante Frage sollte allerdings nicht sein, ob Schweine so empathisch oder intelligent sind wie Menschen (das sind sie nämlich nicht), sondern ob sie leiden können. Nehmen wir unsere eigenen ethischen Grundsätze nämlich ernst, so müssen wir uns auch viel mehr um das Wohl der Tiere (die Studien zufolge intelligenter sind als Hunde oder Kleinkinder) in den heutigen Schweinemastanlagen sowie Schlachthöfen sorgen.

Und hier herrscht mit Kastenständen, Spaltenboden, lebenslanger Fixierung, betäubungsloser Kastration oder schließlich der Gasbetäubung eindeutig Nachholbedarf. Tierquälerei gehört in Deutschland leider immer noch zum Alltag. Bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse viele Menschen zum Nachdenken anregen werden. Hier seht ihr übrigens ein überaus glückliches Schwein.