Pakistan: Der traurige Kult der Kamelkämpfe

  • In Pakistan werden die Kamele mindestens ein Jahr lang für die Kämpfe trainiert
  • Dann werden sie zum Kämpfen animiert – vor einer tobenden Menschenmenge
  • Dem Besitzer des Siegerkamels ist nicht nur ein hohes Preisgeld sicher, sondern auch viel Prestige
  • Doch eigentlich verbietet das pakistanische Recht diese grausame Praxis
  • Die Behörden tun allerdings wenig dafür, dass das Verbot auch wirklich umgesetzt wird

In Pakistan sind Kamelkämpfe seit Ende des 19. Jahrhunderts verboten – eigentlich. Doch sie werden noch immer ausgetragen und erfreuen sich unter der Bevölkerung großer Beliebtheit. Auch die Behörden tun nicht viel, um das Verbot in die Tat umzusetzen. Was für die Menschen spannende Unterhaltung ist, ist für die Tiere eine grausame Gewalterfahrung…

Für die Bevölkerung der zentralpakistanischen Stadt Layyah ist es eine Attraktion: Tausende Menschen kommen dort zu Kamelkämpfen zusammen. Mit Kopfstößen und Bissen attackieren sich die Tiere – bis der Schiedsrichter einen Sieger ausgemacht hat. Die begeisterte Menge stürzt sich auf das Tier, der stolze Besitzer thront erhaben auf seinem Höcker. 100.000 Rupien, 715 Dollar, gewinnt er beim Sieg seines Kamels.

Doch eigentlich sind die Kamelkämpfe seit 1890 verboten. Die britischen Kolonialherren hatten das Verbot ausgesprochen und es mit einem Bußgeld von 50 Rupien belegt. Letztes Jahr war dieses Bußgeld sogar auf 300.000 Rupien (etwa 2.100 Dollar) erhöht worden.

Für die Menschen Unterhaltung – für die Tiere bloße Gewalt

Doch die Kamelkämpfe würden eben einfach zum pakistanischen Kulturerbe gehören, seien in dem Land Tradition. Das ist das Argument derer, die es weiterhin zu den illegalen Veranstaltungen zieht. „Es ist ein Kulturevent. Die Leute sind mit Eifer und Leidenschaft dabei“, erklärt Atiq ur Rehman, Besucher des Festivals. „Hier herrscht große Aufregung.“

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Dasselbe Argument gilt in der ländlichen Provinz Pendjab. Hier werden die Kamele über ein Jahr lang trainiert, bevor sie in den Kampf ziehen. „So lernen die Leute unsere Kultur kennen“, freut sich Muhammad Ali Jatoi, einer der Dorfältesten. „Sie kommen hier zusammen und vergessen die Sorgen des Alltags.“ Ein Ventil für die Menschen – aber eine schreckliche Gewalterfahrung für die Tiere.

„Es ist grausam“

Auch vor Ort, wie channelnewsasia berichtet, regt sich Widerstand gegen die Praktiken, die von den Kritikern als archaische Tierquälerei betrachtet werden. Abdul Ahad Shah ist Jurist bei einem Tierschutzverein und verurteilt die Kämpfe aufs schärfste: „Laut pakistanischem Recht sind alle Tierkämpfe illegal.“ Er kritisiert, dass verletzte Tiere nicht die richtige Behandlung bekämen: „Die Dorfbewohner verarzten die Tiere nur lokal, mit Pflanzen und natürlichen Produkten. Es ist grausam.“ Ungeeignete Methoden, welche die Kamele in keinster Weise von ihrem Leid befreien. Stattdessen müssen sie zurück in den Kampf.

Kamelkämpfe als immaterielles Kulturerbe?

Das Land blickt auf eine lange Geschichte der Tierkämpfe zurück – seien es Kamele, Bären, Hähne oder Hunde. In zahlreichen Dörfern gehört das traditionell zur Unterhaltung. Und die pakistanischen Behörden tun wenig, um das Verbot der Kämpfe zu wirklich durchzusetzen, trotz der Erhöhung der Bußgelder im letzten Jahr.

Kamelkämpfe gibt es auch in Afghanistan und in anderen Ländern des Mittleren Osten. Die Praxis ist mehrere tausend Jahre alt. Auch in der Türkei ist sie beliebt: Aktuell findet in Selcuk ein Kamelkampf-Festival statt, das die Medien aufmerksam verfolgen. Denn mehrmals hatten Lokalpolitiker versucht, die Kamelkämpfe auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO schreiben zu lassen…
• Lucia Salomon
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