Strahlenschildkröten in Massen in Haus auf Madagaskar entdeckt

Strahlenschildkröten in Massen in Haus auf Madagaskar entdeckt

Mitglieder einer Umweltagentur in Madagaskar haben einen entsetzlichen Fund in einem Haus auf der Insel gemacht. Hinter den Mauern des Hauses fanden sie 10.000 eingesperrte Schildkröten einer symbolträchtigen und bedrohten Rasse. Es handelt sich um die auf Madagaksar heimische Strahlenschildkröte. Mehrere Hundert waren tot, die anderen konnten in eine Tierauffangstation gebracht werden.

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Münzen oder auch Schlüsselanhänger. Es gibt die unterschiedlichsten Sammlerarten, die aber genauso banal wie harmlos sind. Doch ein Fall aus Madagaskar sorgt nun für Schlagzeilen. Hier haben Behörden nicht weniger als 10.000 lebende Schildkröten entdeckt.

Genauer gesagt handelte es sich um 10.976 Exemplare, die in einem mehrstöckigen Haus gefunden wurden, die alle der Art Astrochelys radiata, zu deutsch Strahlenschildkröte angehörten und schwer vom Aussterben bedroht sind.

"Das können Sie sich nicht vorstellen. Das war so schrecklich", äußerte sich schockiert die örtliche Vorsitzende der Umweltagentur Madagaskars Soary Randrianjafizanaka auf der Seite von National Geographic. Und das ist nicht schwer, zu glauben, wenn man erfährt, dass jedes Zimmer der Wohnung bedeckt war mit Schildkröten. Mit Schildkröten, aber auch mit ihren Exkrementen und mit Kadavern von ungefähr 180 tot aufgefundenen Tieren.

"Sie hatten Schildkröten im Badezimmer, in der Küche, überall im Haus", beschreibt Soary  Randrianjafizanaka, die diesen schrecklichen Schauplatz als erste entdeckte, nachdem sie wegen des übel riechenden Gestanks, der um das ganze Haus bemerkbar war, alarmiert worden war.

Rettung in letzter Minute

Die Verantwortlichen der Umweltagentur haben alles getan, um die zehntausend Schildkröten zu retten. Sie wurden alle eingefangen und in einer speziellen Tierauffangstation, dem Schildkröten-Dorf in Ifaty, gepflegt. Leider sind 574 trotz aller Behutsamkeit und Pflege gestorben, nachdem sie aus ihrem stinkenden Kerker befreit wurden.

"Alle aus dem Team, von denen viele eine bedeutende Erfahrung mit dieser Schildkrötenart sowohl in Freiheit, als auch in Gefangenschaft, hatten, waren sich einig, dass das die größte Anzahl an Strahlenschildkröten gewesen ist, die sie in ihrem Leben auf einmal gesehen hatten und jemals sehen werden", verkündet die Turtle Survival Alliance, eine Organisation, die bei Hilfsaktionen mitwirkt.

Ein noch lange nicht aufgelöstes Netzwerk

Die Behörden haben bereits drei Wilderer festgenommen. Bei der Ankunft der Sicherheitskräfte schienen zwei der drei mitten bei der Arbeit und damit beschäftigt zu sein, tote Schildkröten zu begraben. Doch in Anbetracht auf den Umfang der Entdeckung nehmen die Sicherheitskräfte stark an, dass das Netzwerk der Wilderer eigentlich noch viel komplexer ist. 

Der Vorsitzende von der Turtle Survival Alliance Rick Hudson scheint paradoxerweise nicht besonders überrascht zu sein über diesen beispiellosen Fang, den er als "völlig glaubwürdig" einstuft. Denn Strahlenschildkröten sind wegen der schönen Zeichnung ihres Panzers, den sternenförmige Motive zieren, sehr begehrt. Und auch Schmuggler haben es auf die Schildkröten abgesehen, die mit ihren Lebern einen Handel betreiben, da die Leber in der traditionellen chinesischen Medizin sehr gefragt ist.

Die Konsequenzen dieser Groß-Wilderei haben verheerende Folgen für die Schildkröten. In den letzten Jahrzehnten ist die Population extrem zurückgegangen und hat die kritische Grenze von 6 Millionen Tieren im Jahr 2013 erreicht. Das sind nur halb so viele Schildkröten wie vor 20 Jahren. Die aktuelle Situation ist noch besorgniserregender, da ihre Anzahl nur noch auf ungefähr 3 Millionen geschrumpft ist. "Sie schrumpfen gerade auf eine, wie ich es nennen würde, alarmierende, ja katastrophale Anzahl", klagt Rick Hudson.

Mangelnde Schutzmaßnahmen

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Diese traurige Feststellung lässt also auch um die über 10.000 aus ihrem madagassischen Gefängnis befreiten Strahlenschildkröten bangen. Anstelle sie in die freie Laufbahn auszusetzen, werden die Schildkröten sicherlich in Gefangenschaft geschützt, um zu vermeiden, dass sie erneut in die Hände von Wilderern geraten. Denn die Aussicht darauf ist mehr als wahrscheinlich, bedenkt man die eher nachlässige Tierschutz-Politik auf der Insel.

Das bezeugen mehrere Beispiele, wie auch im Jahr 2015, als mehr als 450 Strahlenschildkröten am internationalen Flughafen Antananarivo entdeckt und konfisziert wurden. Ein Jahr später wurden ca. 300 weitere Tiere im Süd-Osten Chinas konfisziert, die dort aus Madagaskar importiert wurden. Dieses traurige Gesetz der Serie wird aber hoffentlich mit Bestrafungen und mit Fortschritten in Sachen Prävention aufgehalten werden. Briefmarken zu sammeln anstelle von Schildkröten ist zweifellos eine bessere Variante, um die Artenvielfalt am Leben zu erhalten.

Carina Levent
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