Sie reiten auf einem Esel - dann werfen sie einen Blick unter den Sattel

Sie reiten auf einem Esel - dann werfen sie einen Blick unter den Sattel

Touristen finden es toll und authentisch, Einheimische verdienen ihr gutes Geld - und für die Tiere ist es einfach nur Ausbeute: Im griechischen Santorin werden Besucher von Eseln und Maultieren bergauf und bergab transportiert. In einem erschreckenden Video weist nun die Tierschutzorganisation PETA auf die schlimmen Zustände der Reittiere hin.

Die Tierrechtsorganisation PETA, die sich weltweit für die Rechte von Tieren einsetzt, macht in einem Video auf die grausamen Bedingungen aufmerksam, unter denen Esel und Maultiere als sogenannte Esel-Taxis auf der griechischen Urlaubsinsel Santorin gehalten werden. Die Tiere werden missbraucht und misshandelt, oft über mehrere Stunden ohne Futter und Wasser eingesetzt und müssen viel zu schwere Lasten tragen. 

Es mag zwar bekannt sein, dass Elefanten in Asien ausgebeutet und misshandelt werden und wir als Asientouristen nicht auf dem Rücken von Elefanten reiten sollten, um diesen Missbrauch nicht weiter zu unterstützen. Doch dass vor unserer Haustür und hier in Europa ähnliche Missverhältnisse herrschen, ist weniger bekannt.   

Am 10. September hat die Tierrechtsorganisation PETA, die sich weltweit für die Grundrechte von Tieren einsetzt, seien es Haustiere, Nutztiere oder Wildtiere, in einem Video auf das Leiden der Esel und Maultiereauf der griechischen Urlaubsinsel Santorin aufmerksam gemacht.

Grausame Bedingungen

Zum Gefallen der Touristen müssen die kleinen Esel und Maultiere mehrmals täglich einen steilen Pfad mit über 500 Stufen mit enormen Lasten auf ihrem Rücken bezwingen. Als Esel-Taxis werden sie dazu gezwungen, Touristen und ihr Gepäck in die Altstadt von Firá zu befördern. Sie bekommen nur wenig Wasser und Futter und müssen in der sengenden Sonne aushalten.

„Esel sollten laut tierärztlichen Empfehlungen maximal 20 Prozent ihres eigenen Gewichts tragen, was etwa 50 Kilogramm entspräche", erklärt PETA in einer Pressemitteilung.

Zu schwere Lasten führen bei diesen Tieren auf lange Sicht zu Bandscheiben-, Huf- und Gelenkproblemen.

Missbrauch 

Zu schwache Tiere und Tiere, die ihre „Arbeit“ nicht mehr zufriedenstellend verrichten können, werden von ihren herzlosen Haltern oftmals erbarmungslos ausgesetzt und sich selbst überlassen. Oft werden die erschöpften Tiere bis zum Umfallen mit Stock- und Peitschenhieben angetrieben. Und die Touristen rammen ihnen die Fersen in die Flanken, um sie zum Gehen zu bewegen oder zerren sie die Stufen hinunter, wenn sie aus Angst oder Schmerz stehen bleiben.

Selbst nachts kommen die armen Tiere oft nicht zur Ruhe, weil sie selbst dann noch schwere Müllsäcke transportieren müssen. Sie haben kein Recht auf einen warmen Stall. Und tagsüber sind sie schutzlos der sengenden Sonne ausgesetzt und haben nicht einmal Zugang zu Futter und Wasser. Dann fallen auch noch Fliegen über die von schlechtsitzenden Sätteln und ungeeignetem Zaumzeug bedingten Schürfwunden an Bauch und Kopf her.

Santorin hat sich zu einer tiergerechteren Haltung von Eseln und Maultieren verpflichtet

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Angesichts der wachsenden Empörung und den Reaktionen in den sozialen Netzwerken und einer Petition der Tierschützer mit schon mehr als 10.000 Unterschriften hat sich Santorin bereiterklärt, den Esel-Tourismus einzuschränken und strenger zu überwachen.

Am Tag nach einer Demonstration der Tierschützer und Tierrechtsverteidiger, bei der es zu Ausschreitungen zwischen Tierrechtsverfechtern und Eselhaltern gekommen war, hat der Stadtrat eine Sitzung einberufen.

Dabei hat sich der Verband der Eselhalter zu einer tiergerechteren Haltung der Tiere verpflichtet, zugestanden, den Eseln und Maultieren mehr Schatten und Zugang zu Wasser zu gewähren und ihre Arbeitszeiten einzuschränken. Er hat außerdem versichert, Eselhalter aus seinem Verband auszuschließen, die ihre Tiere schlecht behandeln. Doch PETA will noch weitergehen und das Eselreiten auf Santorin schlechthin verbieten - die Organisation fordert die Touristen auf, die Seilbahn am Hafen zu nutzen, um in die Altstadt zu gelangen – statt auf den Eseln und Maultieren zu reiten.

Zoe Klaus
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