"Sitz!", "Platz!" und "Aus!": Deutsche Hunde-Kommandos im Trend
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"Sitz!", "Platz!" und "Aus!": Deutsche Hunde-Kommandos im Trend

Goethes Sprache hält bei immer mehr Herrchen und Frauchen Einzug. Klingt nach einem Witz? Nein, es gibt ganz sachliche Erklärungen dafür...

"Bei Fuß, my boy!": Konversationen dieser Art sind in den USA nicht selten zu hören. Denn Deutsch als Fremdsprache wird hier nicht nur von Schulkindern gepaukt. So folgen immer mehr US-Bürger einem neuen Trend und erziehen ihren Hund bilingual.

Der bilinguale Hund

Im Grunde ist es einem Hund relativ egal, was wir zu ihm sagen. Viel mehr achtet er auf Betonung, Tonlage und natürlich unsere Körpersprache. Phonetische Feinheiten kann er tatsächlich nicht unterscheiden. Doch die deutsche Sprache ist in den Augen vieler besonders gut zur Hundeerziehung geeignet. Warum ist das so?

Ganz allgemein ist es von Vorteil, für Kommandos eine eigene Sprache nur für Trainingszwecke zu benutzen. Unabhängig vom Deutschen bietet jede ausländische Sprache also den Vorteil, dass diese nicht im Alltag des Halters verwendet wird. So kann der Hund nicht verwirrt werden, sollte bei Frauchen mal das Wort "Sitz" in seiner Muttersprache fallen.

Das Spiel mit den Klischees

Zudem sind deutsche Befehle wohl besonders kurz, eindeutig und klingen in den Ohren vieler Nicht-Muttersprachler "streng". So enthält die deutsche Sprache viele Guttural- und Kehllaute, die ihr einen eher harten, gar autoritär anmutenden, Klang verleihen.

In den sozialen Medien kursieren einige vergleichende Videos mit Sequenzen, in denen Wörter in verschiedenen Sprachen präsentiert werden. Die deutsche Übersetzung wird hierbei übertrieben hart und laut ausgesprochen. Ein Spiel mit den Klischees, das nicht jeden Deutschen zum Lachen bringen dürfte.

Dies ist einer der Gründe, warum viele Polizeibeamte gerne die Muttersprache ihres aus Deutschland importierten Hundes beibehalten. Einem deutschen Muttersprachler fallen diese Merkmale sicher nicht ohne Weiteres auf. Man braucht einiges an Distanz und Vorstellungsvermögen, um sich vorzustellen, wie die eigene Muttersprache in fremden Ohren, quasi von außen gehört, klingen mag.

Früh übt sich

Die US-Amerikanerin Natalia Rozas von Dog Training Excellence sagt hierzu:

Dies mag daran liegen, dass Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland große Anstrengungen unternommen wurden, um Hunde für die Polizeiarbeit auszubilden und auch während des Krieges einzusetzen. Und viele dieser Projekte waren sehr erfolgreich. So sehr, dass wir diese Sprache auch heute noch für das Training unserer Hunde nutzen möchten.
Deutsche Schäferhunde dienen weltweit in Hundestaffeln der Polizei, des Militärs und des Zolls Altino Dantas@Unsplash

Der beste Zeitraum, um einem Hund deutsche Befehle anzutrainieren, ist das Welpenalter. Indiesem Alter sind Hunde am lernfähigsten. Häufig werden Welpen in den USA bilingual erzogen. Bei älteren Hunden, die mit englischen Befehlen trainiert wurden, kann es hingegen etwas schwierig werden. So muss Zeit eingeplant werden, um die neuen Befehle zu erlernen und die alten Befehle neu einzuordnen.

Ich spreche deine Sprache

Ein anderer Grund für die Beliebtheit der deutschen Sprache beruht auf der Tatsache, dass viele der beliebtesten Hunderassen der Welt aus Deutschland kommen. Deutsche Schäferhunde, Rottweiler, Dobermänner, Schnauzer, Dackel, Deutsche Doggen und ja, sogar Pudel und Zwergspitze kommen ursprünglich aus unserem Land. Und so haben viele Amerikaner den Anspruch, ihren Vierbeiner authentisch - also mit deutschen Hundebefehlen - zu erziehen.

Der Hundetrainerin Natalia fällt noch ein weiterer Grund ein, seinem Hund Deutsch beizubringen. So sieht sie es als einmalige Chance, um mit den Fremdsprachenkenntnissen bei anderen Eindruck zu schinden. "Stellen Sie sich vor, Ihr Vierbeiner versucht, beim Betreten des Hauses auf Ihre Schwägerin zu springen und Sie sagen zuversichtlich: "Fido, Sitz!". Es wird sie umhauen!", so schreibt sie.


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