Tierische Idee: Deswegen brauchen Tiere eine Stimme vor Gericht

Tierische Idee: Deswegen brauchen Tiere eine Stimme vor Gericht

Fleisch wird immer günstiger und die Massenhaltung nicht gerade tierfreundlicher. Die Tiere können sich selbst keine Stimme geben. Deshalb fordert ein Journalist, dass Menschen die Tiere vor Gericht vertreten sollen.

Massentierhaltung wird in Deutschland kontrovers diskutiert - dies zeigt das Schicksal männlicher Küken, die am Fließband aussortiert und im Anschluss getötet werden. Die Kükentötung bleibt vom Bundesverwaltungsgericht nach wie vor erlaubt - für den Moment.

Dieser konkrete Fall zeigt vor allem eins: Tiere werden bei uns als Wirtschaftsfaktor und als Nahrungsmittel angesehen. Beispielsweise kostet ein Kalb im Oktober 2019 nur 8,49 Euro. Damit ist ein lebendiges Kälbchen fast genauso teuer wie acht Tüten Gummibärchen, so der Journalist Martin Klingst.

Kein Tierwohl

Dass Tiere noch lange nicht die gleichen Rechte wie Menschen haben, zeigt auch dieses Beispiel: Männliche Ferkel dürfen immer noch ohne Betäubung kastriert werden. Dafür wird die Haut aufgeschnitten und die inneren Sexualorgane herausgenommen.

Auch die männlichen Küken haben es nicht besser, wir haben schon darauf hingewiesen. Sie dürfen immer noch geschreddert oder erstickt werden, weil sie nicht für die Mast und das Eierlegen genutzt werden können.

Verbraucher sehen nur, dass ihr Fleisch immer günstiger wird und freuen sich darüber. Wie der Preis immer weiter sinken sinken kann, hinterfragen viele gar nicht.

Tierschutz im Grundgesetz

Diese unwürdigen Methoden sind in den Augen der Tierschützer mehr als fraglich. Tiere gelten von Rechts wegen als unsere Mitgeschöpfe (siehe Tierschutzgesetz Paragraph 1a). Und auch im Grundgesetz verpflichtet sich der Staat dazu, das Tierwohl zu schützen. In Artikel 20a unserer Verfassung steht:

[Es gilt] Tiere in ihrer Mitgeschöpflichkeit zu achten und ihnen vermeidbare Leiden zu ersparen.

Das steht in Widerspruch zu den oben genannten Methoden der Massentierhaltung und die Tiere können sich ohne unsere Hilfe nicht wehren. Deshalb fordert Zeit-Journalist Martin Klingst, ihnen vor Gericht eine Stimme zu geben. PETA versucht sogar mit einer Verfassungsbeschwerde im Namen der Ferkel für ihre Rechte zu kämpfen.

Sachwalter einsetzen

Wie Klingst in seiner Kolumne schreibt, sind Tiere nicht dazu in der Lage, rechtliche Verpflichtungen und Verantwortung zu übernehmen. Darum sollten die Tiere auch nicht die gleichen Rechte wie wir Menschen bekommen, so der Autor. Dennoch hält er es für wichtig, dass die Tiere vor Gericht vertreten werden, um ihnen Gehör zu verschaffen.

Klingst schlägt vor, dafür Sachwalter einzusetzen:

Der Gesetzgeber könnte ihnen zum Beispiel einen Sachwalter an die Seite stellen, der als eingetragener Verein im eigenen Namen die Interessen von Tieren wahrnimmt und diese Interessen auch wirksam einklagen kann.

Wenn es um die Belange der Natur geht, dürfen Menschen auch in ihrem Interesse vor Gericht ziehen.

Vertretung des Tierwohls ist Ländersache

Das Gleiche wäre auch für das Tierwohl sinnvoll. Zwar gibt es bereits in einigen Bundesländern die Möglichkeit, Tiere vor Gericht zu vertreten, diese Regelung ist aber Ländersache. Der Journalist fordert deshalb, eine "bundesweite Verbandsklage für Tierschutzvereine" einzuführen.

Dadurch würden die Tiere endlich eine Stimme bekommen und das Niveau der Tierhaltung würde sich verbessern. Damit würden aber auch die Kosten steigen und vermutlich läge auf wesentlich weniger Tellern zu Weihnachten, Silvester und Ostern Fleisch.

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Wer schon jetzt kein Fleisch mehr aus der Massentierhaltung verzehren möchte, der kann sich hier über Cowsharing und Crowdbutchering informieren.

Sarah Kirsch
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