Verhaltensveterinär erklärt: Liebt oder hasst uns unsere Katze?
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Verhaltensveterinär erklärt: Liebt oder hasst uns unsere Katze?

Ob unsere Katzen an uns hängen und wenn ja wie sehr, das haben wir mit der Hilfe des französischen Verhaltensveterinärs Claude Béata für euch herausgefunden.

Sie gelten als egoistisch, desinteressiert und unabhängig - kurzum unmöglich in der Lage, Gefühle für uns Menschen zu hegen. Falsch! Sagt zumindest der französische Verhaltensveterinär Claude Béata gegenüber Femme Actuelle und bestätigt damit, dass Katzen deutlich gefühlvoller sind, als wir meinen:

Genau wie Hunde blühen Katzen bei Nähe auf. Ihr Gehirn ist mit Nervenbahnen ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, eine besondere Beziehung zu einem bestimmten Lebewesen aufzubauen. Das heißt, es besteht kein Zweifel daran, dass sie ihre Besitzer lieben können!
Vermust und dann wieder distanziert: Die Katze zeigt euch sehr wohl ihre Liebe, man muss nur genau hinschauen! Linda Raymond@Getty Images

Katzen lieben uns auf ihre Weise

Mehrere wissenschaftliche Studien haben sich daher damit beschäftigt, die Bedeutung einer Beziehung zwischen Tier und Besitzer herauszuarbeiten und im Detail zu untersuchen.

Eine Studie der Universität in Oregon untersuchte zu diesem Zweck im Jahr 2019 das Verhalten von 70 Katzenbabys im Alter von drei bis acht Monaten. Die Kätzchen wurden für die Untersuchung zunächst von ihren Besitzern gestreichelt und anschließend für zwei Minuten alleine an einen ihnen unbekannten Ort gebracht.

Das Ergebnis? 60 Prozent der Tiere zeigten sich deutlich entspannter als sie wieder zu ihren Besitzern konnten, genau wie sich auch Welpen unter ähnlichen Umständen verhalten. Die Tierwelt lehnt sich hier an die Menschenwelt an, denn auch Kinder reagieren vergleichbar.

Dies beweist, dass sich unsere Katzen in unserer Umgebung wohler fühlen, sprich uns mögen. Doch warum haben Katzen dann den Ruf Egoisten zu sein? Warum begegnen sie ihren Besitzern dann teilweise so distanziert und zeigen uns ständig ihr Hinterteil?

Woher haben die Katzen ihren Ruf?

Der Experte Claude Béata weiß Antworten auf diese Fragen. Denn diese liegen in ihrem sozialen Wesen, das ganz unterschiedlich zu dem von Hunden ist, die gerne in Gesellschaft leben:

Katzen sind keine sozialen Tiere, sie brauchen keine Gruppe zum Leben. Im Gegensatz zu Hunden verstehen sie den Menschen als sicheren Hafen, jedoch nicht als Zuhause. Im Falle eines Problems verspüren sie nicht das Bedürfnis, beim Menschen Trost zu suchen. Hunde hingegen, kommen auf uns Menschen zu, wenn etwas nicht stimmt!

Dies hilft uns, zu verstehen, auf welche Weise Katzen uns lieben. Es zeigt uns gleichzeitig, warum wir ein derartiges Bild von ihnen haben. Da Katzen deutlich unabhängiger sind als Hunde, spiegelt sich dies auch ihn ihren emotionalen Beziehungen wider. Aus diesem Grund erscheinen sie uns distanziert.

Es erklärt aber auch, warum sie nicht vor Freude in die Luft springen oder mit dem Schwanz wedeln, wenn sie uns wiedersehen. Oder eben selbst entscheiden, wann und wo sie gestreichelt werden wollen. In der Regel gibt die Katze den Ton an, wobei natürlich auch jede Katzen-Besitzer-Beziehung unterschiedlich ist.

Sie freuen sich, wenn sie euch wiedersehen. Linda Raymond@Getty Images

Die kleinen und die ganz großen Gefühle

Jede Katze hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene Persönlichkeit. So sind manche mehr und andere weniger anhänglich. Alles in allem lässt sich aber auch bei Katzen die gesamte Gefühlspalette beobachten. Nur sehr selten entwickeln Katzen gar keine Bindung zu ihren Besitzern.

Für gewöhnlich handelt es sich in solchen Fällen um Katzen, die bis zu ihrem zweiten Lebensjahr nicht an den Kontakt mit Menschen gewöhnt waren oder schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben.

Claude Béata erklärt, dass diese Katzen durch ihren mangelnden Kontakt zu Menschen tatsächlich nur interessiert, dass sie von ihrem Besitzer etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf bekommen.

Andere Katzen wiederum vergöttern ihre Besitzer regelrecht und sind kaum in der Lage, ohne sie zurechtzukommen. Auch dies kommt eher selten vor und lässt die Katzen zum Teil etwas verrückt wirken, da sie nur Augen für ihre Besitzer haben und am liebsten rund um die Uhr mit ihnen schmusen würden.

Ein Zeichen dafür ist, wenn die Katze in der Abwesenheit ihres Besitzers leidet (Appetitverlust, Ungepflegtheit, übermäßiges Putzen bis hin zum Ausreißen des Fells am Bauch oder den Pfoten ...). Dies lässt sich allerdings ganz leicht mit der Hilfe eines Verhaltensveterinärs beheben.

Die meisten Katzen befinden sich jedoch zwischen diesen beiden Extremen und pflegen eine normale Beziehung zu ihren Besitzern. Sie hängen an ihnen und beweisen es ihnen auch täglich auf ihre ganz eigene Weise.

Kleine Stupser mit dem Kopf, unmissverständliche Blicke, doch sie alle zeigen uns ihre Zuneigung, manchmal müssen wir nur etwas genauer hinschauen und die Zeichen richtig lesen.

Im Gegensatz zu Hunden, sind Katzen jedoch sehr wenig bis gar nicht in der Lage, sich im Falle eines Streites wieder zu vertragen. Das bedeutet, die Verbindung zu ihren Besitzern ist sehr empfindlich. Tut man Katzen Unrecht, ist nicht klar, ob sich wieder eine Beziehung aufbauen lässt!

Achtet also darauf, euch immer gut um eure sensiblen Stubentiger zu kümmern, sie wünschen es sich und verdienen es. Denn wer will es sich schon mit seiner geliebten Schmusekatze verderben?

Zeichen, die zeigen, dass eure Katze euch liebt

  • Wenn ihr sie streichelt, fangen sie an, euch zu beißen, schnurren aber dabei.
  • Sie geben euch Stupser mit dem Kopf, um euch mit ihrem Duft zu markieren.
  • Sie kneten euch den Bauch, wie sie es beim Säugen bei ihrer Mama gemacht haben.
  • Sie legen sich auf euch oder neben euch, weil sie eure Nähe suchen.
  • Wenn sie mit geschlossenem Mund gurren ist es ein Zeichen des Vertrauens.
  • Sie legen sich auf den Rücken, weil sie sich in eurer Gegenwart sicher fühlen.
  • Sie schauen euch an und blinzeln mit den Augen, wenn sie vollkommen entspannt sind.

Nun wisst ihr ganz genau Bescheid über die Gefühle eurer Katzen und wie sie diesen Ausdruck verleihen und müsst euch nicht länger fragen, ob eure Lieblinge euch genauso lieben wie ihr sie.

Von Maximilian Vogel
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