Wegen Corona-Krise: Pro-Stierkampf-Bewegung in Spanien ist am erstarken
Wegen Corona-Krise: Pro-Stierkampf-Bewegung in Spanien ist am erstarken
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Wegen Corona-Krise: Pro-Stierkampf-Bewegung in Spanien ist am erstarken

Die Corona-Pause für die Stiere Spaniens ist vorbei. Das Land kündigt an, schon bald wieder Stierkämpfe zu veranstalten - ungeachtet der Bedenken von Tierschützern und einer drohenden zweiten Infektionswelle.

Spanien ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Wegen der Vielzahl an Infektionen und Todesfällen befindet sich das Land noch länger im Lockdown als seine europäischen Nachbarn. Über mehrere Monate steht das komplette öffentliche Leben still.

Stierkämpfe trotz Corona

Wie in Deutschland werden nun auch in Spanien die Maßnahmen zurückgefahren. Während hierzulande oft von überglücklichen Gastronomen die Rede ist, die sich über die Wiedereröffnung freuen, macht in Spanien ein ganzer anderer, nicht weniger wichtiger Wirtschaftszweig Schlagzeilen: der Stierkampf.

Zwar bleibt die berühmte "Sanfermines"-Stierhatz in Pamplona nach wie vor für dieses Jahr abgesagt, doch in den Arenen sollen schon bald wieder die traditionellen Kämpfe von Mensch gegen Stier stattfinden. Für die Tierschützer, die seit Jahren für ein Ende der umstrittenen Events kämpfen, ist das ein herber Rückschlag (s. Video). Sie hatten sich erhofft, dass die Corona-Pause die Veranstaltungen endgültig absetzen würde.

Tierschützer auf verlorenem Posten

Das Problem der Aktivisten: In Spanien treffen ihre Forderungen auf großen wirtschaftlichen Gegenwind. Schätzungsweise 6.000 Arbeitsplätze hängen landesweit an der "Stierkampf-Industrie". Alleine die Züchter verzeichnen in der Krise Verluste von bis zu 70 Millionen Euro und berichten von Notschlachtungen, um Geld für ihr Personal zu sparen. Auch deswegen protestieren viele Toreros, Veranstalter und Fans der Kämpfe für staatliche Hilfen. Matador Pablo Aguado fordert:

Wir verlangen Gerechtigkeit für die Stierkampfbranche. Sie soll genau so behandelt werden, wie alle anderen kulturellen Bereiche. Dies ist das wichtigste kulturelle Volksfest in Spanien, und wir wollen, dass es auch so behandelt wird.

Angesichts dieser großen Pro-Stierkampf-Bewegung ist es unwahrscheinlich, dass die Forderungen der Tierschützer bald in die Tat umgesetzt werden. Die als Tierquälerei denunzierten, grausamen Events werden also auch in Zukunft noch stattfinden - sogar Corona haben sie überlebt.

Von Sarah Kirsch

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