China: Lebendiger Esel wird Tigern zum Fraß vorgeworfen

China: Lebendiger Esel wird Tigern zum Fraß vorgeworfen

In einem chinesischen Zoo, dem Yancheng Safari Park, haben Männer vor den Augen der Zoobesucher zwei Tigern einen lebendigen Esel zum Fraß vorgeworfen. Die Raubkatzen haben das hilflose Opfer in kurzer Zeit zerfleischt. Offiziellen Berichten nach sollen unzufriedene Investoren für die barbarische Tat verantwortlich sein. 

In China haben sich in einem Zoo grausame Szenen abgespielt. Ein neuer Skandal, der die von Tierschützern regelmäßig angeprangerten chinesischen Zoos wieder einmal in ein schiefes Licht stellt. Im vergangenen Sommer machte ein Video im Netz die Runde, auf dem Männer einen wehrlosen Esel packen und den Tigern lebendig zum Fraß vorwerfen. Das arme Tier versucht noch zu entkommen, doch wird erbarmungslos zerfleischt.  

Der Vorfall ereignet sich im Yancheng Safari Park in Changzhou und löst weltweit Empörung im Netz aus. Ein Zoobesucher hat das Vorgehen gefilmt. Auf dem Video ist nur der Anfang der Tortur zu sehen, doch nach Angaben der South China Morning Post soll der Todeskampf des Tieres mehr als eine halbe Stunde gedauert haben, ohne dass jemand eingegriffen hat.  

Unzufriedene Investoren

Offiziellen Berichten nach sind unzufriedene Investoren verantwortlich für den Vorfall. Der in finanzielle Schwierigkeiten und einen juristischen Streit verwickelte Yancheng Safari Park kann sie nicht mehr auszahlen. Da versuchen einige, anders an ihr Geld zu kommen, indem sie Männer anheuern, um die Tiere aus dem Park zu holen und vor dem Eingang zu verkaufen. Der unglückliche Esel gehörte auch dazu.

Als Sicherheitskräfte eingreifen, um sie daran zu hindern, beschließen sie aus Protest, den Esel an die Tiger zu verfüttern. „Wenn wir schon keinen Gewinn daraus schlagen, warum sollen wir dann nicht ab und zu Tiere an die Tiger verfüttern? So sparen wir wenigstens die Kosten für das Tierfutter ein,“ erklärt einer der dazu befragten Investoren dem Guardian.

Das Video, das sich rasch im Netz verbreitet, löst allgemeine Empörung aus.„Es ist ein schrecklich trauriges Video, weil alle darin leiden, sowohl der Esel, die Tiger als auch die Besucher, die da zu sehen sind“, erklärt Doug Cress, der Geschäftsführer der World Association of Zoos and Aquariums gegenüber dem Magazin National Geographic.

Regelmäßig beanstandete Bedingungen

Nach Meinung dieses Experten zeigt dieser Vorfall, wie bedenklich und unangepasst die Bedingungen generell in diesem Zoo sind. „Wenn der Zoo angemessene Barrieren zwischen den Menschen und den Gehegen gehabt hätte, hätte man die Tiere erstens gar nicht aus den Gehegen bekommen und hätte sie zweitens nicht in das Tigergehege werfen können,“ wirft er ein. „Die Absperrungen und Sicherheitsmaßnahmen dieses Zoos sind also eindeutig nicht ausreichend.“

Dies ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ein chinesischer Zoo unter Kritik steht. Immer wieder werden Tierparks für ihre veralteten und für die Tiere unwürdigen Bedingungen angeprangert. Es ist in China keine Seltenheit, dass Tiere unangemessen und sogar mit Abfällen gefüttert werden.

Erst kurz zuvor hatten Aufnahmen von fettleibigen Tigern in einem chinesischen Zoo eine heftige Debatte ausgelöst. Dann kommt es auch immer häufiger vor, dass Tiere dazu missbraucht werden, mit Besuchern zu posieren oder Kunststücke aufzuführen. Und ein chinesisches Einkaufszentrum wurde letztes Jahr traurig als „einer der schlimmsten Zoos der Welt“ bekannt.

Lebende Tiere zum Verfüttern verkauft

Während die Tiger im vorliegenden Fall offensichtlich nicht gewohnt waren, lebende Tiere dieser Größe zu fressen zu bekommen, so scheint dies in anderen chinesischen Zoos bedauerlicherweise üblich zu sein. Einer 2015 veröffentlichten Reportage nach, in der die Fettleibigkeit der im Siberian Tiger Park der nordostchinesischen Republik Heilongjiang gehaltenen Tiger angeprangert wurde, konnten die Besucher dort lebende Hühner oder Schafe kaufen, um sie an die Raubkatzen zu verfüttern.

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Wenn jemand nur genug dafür bietet, sind manche Tierparks zu allem bereit,“ bedauert Dave Neale von der Tierschutzorganisation Animal Asia.   Er ist entsetzt, aber nicht überrascht von dem grausamen Vorfall. „Das untergräbt den erzieherischen Wert eines Zoos. Ich sehe keinerlei pädagogischen Wert in so etwas.“ fügt er im National Geographic noch hinzu.

Ihm nach wurde der Yangcheng Safari Park von der Chinesischen Gesellschaft Zoologischer Gärten akkreditiert, einer Organisation „voll guter Absichten“, der jedoch leider die notwendigen Mittel fehlen, um bei ihren Mitgliedern strengere Tierwohl-Standards durchzusetzen. Es ist zurzeit noch nicht bekannt, ob die Gesellschaft plant, auf den Vorfall mit dem Esel zu reagieren.

Carina Levent
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