Aus für das Mindesthaltbarkeitsdatum? Die EU-Kommission sucht nach Alternativen

Wenn es nach der EU-Kommission geht, könnte es dem Mindesthaltbarkeitsdatum an den Kragen gehen. Der Schritt soll u. a. der immensen Lebensmittelverschwendung Einhalt gebieten.

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Jeder von uns hat es sicherlich schon einmal getan: Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war, einfach in den Müll geschmissen. Das tut nicht nur der Umwelt weh, sondern auch dem Geldbeutel und ist vor allem unnötig.

Ein klares Missverständnis

Oft sind Waren noch lange nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Es zeigt laut Verbraucherzentrale nur "den Zeitpunkt an, bis zu dem der Hersteller garantiert, dass das ungeöffnete Lebensmittel bei durchgehend richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften, wie Geruch, Geschmack und Nährwert behält."

Wer den Überblick zwischen all den verschiedenen Angaben zur Haltbarkeit seiner Lebensmittel komplett verloren hat, dem empfehlen wir, sich die Unterschiede einfach noch mal zu Gemüte zu führen; so schwer ist es gar nicht.

Damit nicht jährlich mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel in der Mülltonne landen, möchte die EU-Kommission das Mindesthaltbarkeitsdatum nun entweder ganz abschaffen oder zumindest so verändern, dass die Verbraucher nachhaltiger handeln. Zur Umsetzung stehen bereits mehrere Vorschläge im Raum.

Ein buntes Sammelsurium an Vorschlägen

Die Ansätze, die von der EU-Kommission erarbeitet worden sind, unterscheiden sich teilweise stark voneinander:

  1. Das Mindesthaltbarkeitsdatum könnte auf bestimmten Produkten ganz verschwinden. Alle Lebensmittel, die sich sehr lange halten, könnten davon betroffen sein. Auf Zucker, Salz, Kaffee oder Tee würden wir in Zukunft dann vergeblich nach dem Aufdruck suchen.
  2. Der zweite Vorschlag sieht vor, überhaupt keine Ausnahmen zu machen, soll heißen: Das Mindesthaltbarkeitsdatum könnte, unabhängig von der Haltbarkeit der Produkte, abgeschafft werden und durch das Verbrauchsdatum ersetzt werden. Dieses findet man zurzeit nur auf Produkten, die leicht verderblich sind, also z. B. Fertigsalate oder Fisch. Essen Verbraucher:innen die Waren trotz des Hinweises noch nach Ablauf dieses Datum, können sie krank werden.
  3. Die Formulierung könnte entweder umbenannt werden oder durch Symbole ersetzt oder ergänzt werden. Wie geschickt das Problem im englischen Sprachgebrauch gelöst worden ist, seht ihr in unserem Video.

Alle dürfen mitreden

Noch wird es dauern, bis es hinsichtlich einer möglichen Änderung zu einer Entscheidung kommt. Zuerst sollen Unternehmen und Verbände nach ihrer Meinung befragt werden und auch die Bürger:innen der EU scheinen ein Mitspracherecht zu haben. Ob es überhaupt so weit kommt, scheint allerdings auch in den Sternen zu stehen: Die EU schließt nicht aus, alles beim Alten zu belassen.

Eins ist allerdings sicher: Die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums, wie wir es heute kennen, hätte viele Vorteile. Verbraucher:innen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger zur Verschwendung von Lebensmitteln beitragen, was wiederum dazu führen könnte, dass weniger Waren produziert werden müssen; diese würden dann wahrscheinlich für weniger Geld in den Supermarktregalen landen. Eine klare Win-Win-Situation.