@ParisiensInParis: Wer steckt hinter dem Gossip Girl von Paris?

XOXO Gossip Girl. Der Instagram-Account @ParisiensInParis hat mittlerweile mehr als 375.000 Follower und stellt den alltäglichen Effortless Chic der Pariserinnen in den Mittelpunkt. Das Konto bietet mit seinen Lo-Fi-Shots eine Alternative zu den heute oft kunstvoll inszenierten Influencer-Postings - aber ist dennoch ein Hit.

@ParisiensInParis: Wer steckt hinter dem geheimen Gossip Girl von Paris?
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Im Jahr 2021 ist der bedeutendste Pariser:in auf Instagram kein hauptberuflicher Influencer:in mit einer Million Followern mehr oder gar ein Laufsteg-Model. Es ist eine anonyme Person, die durch die Straßen des 6. Arrondissements pirscht und heimlich Pariser:innen in Outfits fotografiert, die sie bewundert. Sie postet sie dann auf dem Instagram-Account @ParisiensInParis, der während des ersten Lockdowns vergangenes Jahr zu einem Phänomen wurde und mittlerweile mehr als 377.000 Instagram-Follower hat, darunter Emma Corrin, Alexa Chung und Jodie Comer. Das Geheimnis? Die Anonymität scheint der Schlüssel zum Erfolg des Kontos zu sein.

Anonymität als Schlüssel zum Erfolg

"Wenn Sie etwas benennen, nimmt es die Magie", so drückt es der anonyme Gründer:in gegenüber der britischen Vogue aus. Und weiter: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Pariser Stil so viel mehr beinhaltet als das, was auf Instagram gezeigt wurde, wo alles so perfekt geworden ist – zu perfekt". Rund 85 % der Bilder stammen vom rätselhaften Gründer:in des Accounts, die restlichen 15 Prozent gehen auf Einsendungen der Community zurück.

Ob ich in der Metro fahre, in einem Park spazieren gehe oder auf einer Terrasse sitze, ich bin immer wieder so inspiriert von dem, was die Leute um mich herum tragen, und das wollte ich dokumentieren. Ich denke, ein Grund, warum wir so viel Erfolg haben, ist, dass die Bilder von hinten aufgenommen wurden – es gibt keine Gesichter – und die ganze Idee besteht darin, ein Outfit zu feiern, und nicht unbedingt die Person, die es trägt.

Auf Instagram werden Bilder sorgfältig inszeniert und bearbeitet, oft gesponsert, und zeigen Kleidung und Accessoires, die sich der Influencer:in in der Vergangenheit niemals hätte leisten können. Der Kanal macht Appetit auf eine Rückkehr zur Authentizität, was durch die Art von spontanen, unbearbeiteten Aufnahmen veranschaulicht wird, die auf TikTok gut funktionieren. In diesem Klima gedeihen auch Konten wie @ParisiensInParis.

Ein Anti-Influencer?

Das soll nicht heißen, dass das Konto von Natur aus „Anti-Influencer“ ist. Auch berühmte französische Influencer:innen, wie Camille Charrière, Caroline de Maigret, Monica de La Villardière und Leia Sfez werden regelmässig abgelichtet. Außerdem gewinnt das Konto derzeit mehr und mehr an Einfluss.

Vor ein paar Wochen haben wir ein Bild von einem Mädchen gepostet, welches eine bestimmte Handtasche eines weniger bekannten Accessoires-Labels trägt. Die Leute fingen an, die Marke in den Kommentaren zu markieren und am nächsten Morgen hatten sie mir eine Nachricht geschickt, um zu sagen: 'Nach Ihrem Beitrag haben wir den gesamten Stock in einer einzigen Nacht ausverkauft.

Den Erfolg des Kontos macht auch die Tatsache aus, dass eine weniger abgedroschene Version des französischen Stils gezeigt wird. Zugegeben: Trenchcoats, Strohtaschen und bretonische Streifen gibt es auch hier in Hülle und Fülle. Aber es gibt eben auch – quelle horreur– Farbe und Motive, wie die kirschrote Adidas-Trainingshose, die mit einer Baskenmütze getragen wird. Und es präsentiert ein Paris, das nicht ausschließlich weiß und jung ist.

Imitate rund um den Globus

Der Account hat zur Zeit bereits 157 internationale Nachahmer:innen rund um den Globus gefunden: Darunter Londoners in London, Berliners in Berlin oder Melbournians in Melbourne. Der ursprüngliche Account wurde bereits im Jahr 2018 gegründet, warum also kam der Erfolg also erst im Zuge der Pandemie?

Covid-19 hat uns in vielerlei Hinsicht zum Boden der Tatsachen zurückgeführt. Ich denke, die Leute suchen nach etwas Echtem, und es ist real, normale Menschen in der eigenen Stadt in normaler Kleidung zu sehen, die zur Arbeit gehen und wieder zurückfahren. Es ist eine weniger oberflächliche Herangehensweise an Mode.

Was die Karriere-Bucket-List des Gründers:Gründerin betrifft, gibt es nur noch einen Punkt zum Abhaken. „Mein Traum ist es, dass es eine Episode von Emily in Paris gibt, in der sie versucht, auf @ParisiensInParis zu erscheinen.“, gesteht er gegenüber der Vogue, "Ich denke nur, das würde so viel Spaß machen." Wir sind gespannt!