"Zirklusion": So denkt man im 21. Jahrhundert über Penetration!

Worum geht es beim Sex eigentlich? In unserer Gesellschaft wird der Akt der Penetration oft als Höhepunkt einer sexuellen Beziehung angesehen. Warum aber nicht einmal die Alternative wählen und Zirklusion ausprobieren?

"Zirklusion": So denkt man im 21. Jahrhundert über Penetration!
© Maru Lombardo@Unsplash
"Zirklusion": So denkt man im 21. Jahrhundert über Penetration!

Um das Prinzip der Zirklusion zu verstehen, sollten wir zunächst einen Blick auf die Herkunft des Begriffs werfen. Das Wort "circlusion" setzt sich zusammen aus der Vorsilbe "cir-", was "um" bedeutet, und der Basis "-clusion", einer Ableitung von "to close".

Man kann also sagen, dass das "Einkreisen" die Handlung ist, die etwas umschließt, einschließt oder verschlingt. Im sexuellen Bereich bezeichnet es den Akt der Umschließung des Penis mit der Vagina, dem Mund oder dem Anus.

Wenn Du deinen Partner also von oben umschließt- sollten wir dann nicht eher von "Umkreisen" als von "Penetration" sprechen?

Zirklusion, eine Alternative zur Penetration?

Der deutsche Philosoph Bini Adamczak schlägt 2016 in GLAD! Journal on Language, Gender and Sexualities vor, aktiven/passiven Sex und unseren Umgang mit Penetration neu zu überdenken. Sie schreibt:

Dieses Wort ist notwendig, weil diese traurige Fixierung auf die Penetration immer noch die heteronormative Vorstellung beherrscht.

Mit dem Begriff der Zirklusion soll man von dem Gedanken wegkommen, dass die Person, die eindringt (mit dem Dildo, dem Penis, der Gurke oder dem Sextoy) "die ganze Arbeit" macht.

Und zwar während die andere Person passiv bleibt. Ein Irrglaube, der sich immer noch hält. Bei der Zirklusion werden die Karten neu verteilt und Menschen, die normalerweise als passiv gelten, übernehmen eine aktive Rolle.

Die Vagina, Meisterin der weiblichen Lust

Die Idee, die hinter diesem Wort steckt, ist also, die penetrierte Person wieder zur Meisterin ihrer Lust zu machen. Bei einem Paar mit heterosexuellen Beziehungen kann man also sagen, dass der Mann eindringt und die Frau zirkuliert.

Auf diese Weise werden die Dominanz und die Rolle der Vagina neu überdacht. Das Geschlecht der Frau ist mehr als eine einfache Öffnung oder gar ein "Loch", es ist sehr empfindlich.

Die Vagina ist mit Muskeln und Nervenenden ausgestattet, sie wird erregt, schwillt an und kann sich sogar während der Geburt ausdehnen. Was für ein Power-Organ!

An Sexpraktiken mangelt es jedenfalls nicht, wenn man Neues ausprobieren will. So gibt es unter anderem Cybersex und sogar das ziemlich unbekannte Phänomen des "Feeding".