Zyklus-Apps verkaufen unsere intimsten Angaben

Zyklus-Apps sind aus dem Leben sehr vieler Frauen nicht mehr wegzudenken, die ihnen ihre intimsten Informationen anvertrauen. Wer aber weiß genau, wie bzw. ob diese hochsensiblen Daten geschützt sind? Eine neue Studie kommt hier zu erschreckenden Ergebnissen.

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Zyklus-Apps stellen eine wahre Erleichterung für unser Leben dar. Sie erlauben uns, ein genaues Tagebuch zu unserem Menstruationszyklus zu führen, helfen uns dabei, die Zeit des Eisprungs zu bestimmen und vieles andere mehr. Doch wer hat sich schon gefragt, ob diese Daten auch gemäß den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verwahrt werden? Eine von Wissenschaftlerinnen aus Schweden und Großbritannien durchgeführte Studie ist hier zu erschreckenden Ergebnissen gekommen.

Keine der Zyklus-Apps geht mit den Daten vertrauensvoll um

Die von Maryam Mehrnezhad und Teresa Almeida durchgeführte Studie nimmt 30 der beliebtesten Zyklus-Apps unter die Lupe und analysiert dabei die Verwendung und den Schutz dieser sehr intimen Daten. Folgende Apps sind dabei untersucht worden:

Ava Fertility Tracker, EclixTech Ovulation Calculator, ElaWoman, Eveline Ovulation Fertility Tracker, Evoke Fertility Meditations, Femometer, Fertility Astrology, Fertilitiy Diet Guide, Fertility Friend, Fertility Test Analyzer, Flo Period Tracker, Glow Fertility, Kindara, Leap Period Tracker, Maya, Mira Fertility, My Fertility Charts, My Fertility Companion, OvaGraph, Ovia Fertility, OvTracker, Ovulation Calculator & Fertility, Ovulation Calender & Fertility, OvuView, Pearl Fertility, Premom Ovulation Tracker, Simple Design Period Tracker, Trak, WOOM.

Diese Liste ist lang, die schwarzen Schafe darunter dominieren allerdings das Feld. Dr. Teresa Almeida sagt in einer Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Untersuchung:

Solche Apps können helfen, die Reproduktionsgesundheit besser zu managen. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko für die Nutzer, wenn die Daten nicht ordentlich geschützt werden.

Nur wenige Zyklus-Apps bieten einen Mindestschutz für deine Daten

Keine der 30 Apps informiert den rechtlichen Bestimmungen konform darüber, welche Daten erhoben werden und was mit diesen Daten passiert. Doch damit nicht genug: Die meisten dieser Apps überwachen sämtliche Datenbewegungen mit Trackern, die die Daten dann an Dritte weitergeben. Welche Daten dabei genau erhoben werden und an wen sie weitergeleitet werden, ist nicht ersichtlich. Diese Tracker fehlen lediglich bei zehn dieser Apps, die damit etwas mehr Vertrauen verdienen. Es handelt sich dabei um folgende Zyklus-Apps:

Fertility Friend, My Fertility Charts, Fertility Astrology, OvaGraph, Fertility Test Analyzer, Companion, Eveline, Fertility Diet Guide, Mira Fertility, Pearl Fertility.

Dr. Teresa Almeida bringt die Problematik der Zyklus-Apps in ihrer Pressemitteilung auf den Punkt:

Die Daten der Nutzer werden in einer unsicheren Umgebung abgelegt. Das erlaubt es nicht nur, sie zu vermarkten, es kann dazu führen, dass Nutzer schwere persönliche Schäden erleiden, etwa wenn Daten über eine gescheiterte Schwangerschaft oder Abtreibung bekannt werden.

Angesichts dieser erschreckenden Enthüllungen stellt sich die Frage, inwiefern überhaupt noch zur Nutzung von Zyklus-Apps geraten werden kann. Psychologisch ist es sicher besser, zum traditionellen Tagebuch zurückzukehren, wenn man sozusagen auf Nummer sicher gehen will. Ob das aber noch in unseren schnelllebigen Alltag passt, sollte jede Frau für sich selbst herausfinden.