High Heel Index: Was Absätze über die Wirtschaft aussagen
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High Heel Index: Was Absätze über die Wirtschaft aussagen

Es ist Fashion Week! Hier wird jedes Jahr Modegeschichte geschrieben und die Trends für die kommende Saison bestimmt. Diesmal findet das komplette Spektakel virtuell statt und eines fällt auf: Die Absätze der Mannequins. Und dieses Phänomen ist den Experten gar nicht unbekannt.

Was hat Mode eigentlich mit Wirtschaft zu tun? So einiges, werden viele jetzt sagen! Modeunternehmen tummeln sich in Börsenlisten, Boutiquen ziehen zahlreiche Kundinnen magisch an und eine Handtasche darf gerne einmal mehr kosten als ein Kleinwagen. Doch Mode spiegelt auch die jeweils aktuelle Wirtschaftslage wider. Gerade jetzt in der Coronakrise zeigt sich wieder einmal ein – unter Experten – wohlbekannter Trend.

Nach der Finanzkrise gab es die "highest heels ever"

Wir sind in Paris, es ist Fashion Week. Die findet zwar nur online statt, dennoch fällt auf den Laufstegen etwas auf: Die Designer-High Heels, die die Models zu ihren sündhaft teuren Outfits tragen, sind höher als sonst. "Killerheels" und Plateau sind wieder angesagt. Das unterstützt die These, die unter Forschern und Modeexperten allseits bekannt ist: Je schlechter es der Wirtschaft geht, desto höher sind die High Heels.

So war es bereits nach der großen Depression in den 1930er Jahren, der Ölkrise in den 1970ern sowie in den 2000ern, als die Dotcom-Blase geplatzt ist. Letzteres lässt sich wunderbar an den Stilettos von Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte in der Serie Sex and the City beobachten. Genauso wie beim Traditionshaus Louboutin, als Designer Christian Louboutin 2008 nach der Finanzkrise die "highest heels ever" kreiert.

Die koreanische Forscherin Insook Ahn hat außerdem anhand der US-Vogue von 1950 bis 2014 den Zusammenhang zwischen einem Hoch der Arbeitslosigkeit und einem Hoch der Absätze untersucht. Ihr Fazit: Mit der Zahl der Arbeitslosen stieg auch die Absatzhöhe für jeweils rund drei Jahre.

Mode als Flucht vor der Krise

Gleiches stellt Leonard Lauder, Vorsitzender des Kosmetikunternehmens Estée Lauder, fest, als die Lippenstiftverkäufe nach den Terroranschlägen 2001 in New York rasant ansteigen. Gegenüber der New York Times führt er damals den Begriff "Lipstick Index" ein. Ob das in der jetzigen Krise auch der Fall sein wird? Die Maskenpflicht könnte diesmal dagegen wirken.

Begründet werden die Phänomene des "Lipstick Index" und des "High Heel Index" übrigens mit dem Wunsch der Verbraucher, extravagante Mode als Mittel der Fantasie und Flucht zu nutzen. In der Regel schrumpfen die Absätze nach drei Jahren wieder. Also, wer noch ein Paar 20-Zentimer-Heels von der letzten Krise zu Hause hat, liegt damit wieder voll im Trend. Es gibt ein Revival!


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