Meeressäuger in Russland illegal gefangen. Doch die Behörden sind machtlos

Meeressäuger in Russland illegal gefangen. Doch die Behörden sind machtlos

In einer in Südostrussland befindlichen provisorischen Anlage am Japanischen Meer werden Meeressäuger unter katastrophalen Bedingungen gefangen gehalten. Obwohl das Ganze illegal ist, sind russische Behörden machtlos.

In den eisigen Gewässern von Nachodka in Südostrussland am Japanischen Meer werden derzeit laut Tierschützern noch mehr als hundert Meeressäuger in einer provisorischen Anlage in einer Bucht in der Nähe der russischen Stadt Wladiwostok gefangen gehalten. Die Bilder des Wal-Gefängnisses und die Bedingungen, unter denen die Belugawale und Orcas dort gehalten werden, sorgen für Polemik.

Ein Wal-Gefängnis unter freien Himmel

Die Anlage, in der die Meeressäuger dort unter freiem Himmel schmachten, sollte eigentlich schon geschlossen sein. Erste Bilder der Anlage waren 2018 veröffentlicht worden, um die russische Regierung und Wladimir Putin zum Einschreiten zu bewegen. Denn eigentlich ist der Walfang in Russland nur für wissenschaftliche Zwecke erlaubt. Die vier chinesischen Betriebsfirmen der Anlage sollen daraufhin wegen Verstoßes gegen die Fischereigesetze mit Geldbußen belegt worden sein.

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Doch neuere Dronen-Aufnahmen zeigen, dass immer noch mehr als hundert Meeressäuger dort gefangen gehalten werden. Elf Orcas und 87 Belugawale sollen es noch sein.

Tierschützer und Tierschutzorganisationen sind empört über diese Zustände und fordern sofortige Maßnahmen. 

Verheerende Bedingungen

Die Betreiber der Anlage sollen noch mehr als hundert Orcas und Belugawale unter unmenschlichen Bedingungen dort festhalten. Darunter fünfzehn noch nicht autonome Beluga-Babys, was eigentlich nach internationalem Recht strengstens verboten ist.

Die Umwelt- und Tierschutzorganisation Greenpeace prangert die unmenschlichen Bedingungen an, unter denen die Tiere dort gehalten werden. Sie sind auf kleinstem Raum zusammengepfercht und haben kaum Bewegungsspielraum. Dazu müssen die Mitarbeiter der Anlage immer wieder mit Hacken und Schaufeln Öffnungen in das zufrierende Eis schlagen, um sie mit Atemluft zu versorgen, was noch zum Stress der Tiere beiträgt. Eine unzumutbare Situation für die Meeressäuger, die sich bewegen können müssen, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie sind in der zufrierenden Meeresbucht, deren Gewässer auf Temperaturen von bis zu -15° C absinken können viel zu hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt. 

Die Tierschützer haben auch schon von der extremen Kälte verursachte Flecken und Hautläsionen an den Meeressäugern beobachtet. Sie beschreiben, wie die Mitarbeiter der Anlage das ständig zufrierende Eis entfernen müssen und dabei mit ihren Hacken und Schaufeln die Köpfe der Tiere verletzen und auch tödlich verletzen. Drei Belugas sind auf diese Weise schon verendet.

Dazu befürchten die Tierschützer, dass die dort gehaltenen Jungtiere nicht mehr in der Lage sind, sich an ein Leben in freier Natur zu gewöhnen und daher auch schon zum Tod verurteilt sind.

Ein lukrativer Handel

Der Grund, warum die Meeressäuger dort gefangen gehalten werden, sind die hohen Gewinne, die sich die Betreiber der Anlage davon versprechen. Die Tiere sollen an Delfinarien und Großaquarien in asiatischen Raum verkauft werden. Ein jedes der Tiere hat einen Verkaufswert von einer bis zehn Millionen Dollar.

Dieses Phänomen ist nicht ganz neu. Derartige sogenannte Zuchtanlagen machen sich eine juristische Grauzone in Russland zu Nutze. Zwar ist der Walfang in Russland auch nur zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt, doch geben die Walfänger oft wissenschaftliche Gründe vor, um ihre Fänge zu rechtfertigen. Daher ist es den russischen Behörden unmöglich, diese verheerenden Praktiken zu unterbinden.

• Zoe Klaus
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