Tierdarstellungen in al-Dschauf im Nordwesten Saudi-Arabiens entdeckt
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Tierdarstellungen in al-Dschauf im Nordwesten Saudi-Arabiens entdeckt

Von der Redaktion

Im Nordwesten Saudi-Arabiens haben Archäologen vor kurzem mehrere erstaunliche Felsenreliefs gefunden, die lebensgroße Dromedare und andere Tiere darstellen. Sowohl ihre Herkunft als auch ihre künstlerische Ausarbeitung stellen Experten und Wissenschaftler vor ein Rätsel.

Ob es sich um Dromedare oder Kamele handelt, soll dahingestellt sein. Auf jeden Fall sind es um die zehn kamelartige Tierdarstellungen, die jetzt in der Provinz al-Dschauf im Nordwesten Saudi-Arabiens entdeckt wurden. Diese Tiere sind in der dortigen Wüste an sich weit verbreitet und ihre Ansicht keine Seltenheit. Doch hier handelt es sich nicht um lebendige Tiere, sondern um mehr als 2.000 Jahre alte Felsenkunst.

Die in den Felsen gehauenen Hoch- und Flachreliefs wurden auf drei Felsvorsprüngen 8 km nördlich der Stadt Sakaka gefunden, die von den Archäologen „Camel Site“ getauft wurden. Bei den Tierdarstellungen handelt es sich, laut der in der Fachzeitschrift Antiquity erschienenen Studie, um elf Dromedare, einen Esel und ein Maultier, zwei den Erklärungen der französischen und saudi-arabischen Forscher nach sonst eher selten dargestellten Tiere.

Ein rein zufälliger Fund

Der unerwartete Fund wurde rein zufällig gemacht. Die geheimnisvollen Steinreliefs befinden sich im entlegenen Teil eines Privatbesitzes und erodierten seit Jahrhunderten still, vergessen und unbeachtet. „Diese Entdeckung in einem praktisch unerforschten Sektor ist wirklich außergewöhnlich“, erklärt der französische CNRS-Forscher und Archäologe Guillaume Charloux.

Ein Glück, dass diese von der Größe und der Qualität der Ausarbeitung her ungewöhnlichen Darstellungen überhaupt gefunden wurden. Nicht nur die Größe der Darstellungen ist ungewöhnlich für die Zeit, aus der sie zu stammen scheinen, sondern auch die Tatsache, dass die Tiere in Bewegung, ohne Lasten und in ihrer natürlichen Umgebung dargestellt worden sind. Das unterscheidet sie von anderen in dieser Gegend gefundenen, schematischeren und meist nur zweidimensionalen Felszeichnungen.

„An diesen Darstellungen müssen mehrere Künstler jeweils mehrere Tage lang gearbeitet haben“, erklärt Guillaume Charloux. Während über den Ursprung und die möglichen Hersteller der Kunstwerke noch nichts in Erfahrung gebracht werden konnte, wird anhand ihrer charakteristischen Eigenschaften vermutet, dass sie auf einen kulturellen Austausch zurückgehen, der in diesem Teil der Welt stattgefunden haben muss. Die Felsenkünstler müssen sich, nach Ansicht der Archäologen, bei den benachbarten Parthern und Nabatäern inspiriert haben, die damals die Grenzgebiete dieser arabischen Provinz bewohnten.

In mancher Hinsicht erinnern die gefundenen Felsenreliefs des Camel Sites tatsächlich an Meisterwerke der jordanischen und mesopotamischen Kunst, wie zum Beispiel eine in Petra im heutigen Jordanien gefundene Karawanenskulptur mit Dromedaren und ähnliche Werke in den Felsen bei der antiken Stadt Hatra im nördlichen Irak.

Das Alter ist ungewiss

Auch das Alter der Felsskulpturen ist unklar. Wurden sie ein Jahrhundert vor oder ein Jahrhundert nach Christi Geburt angefertigt? Die Frage bleibt offen. Die Erosion hat im Laufe der Zeit sämtliche Spuren eventueller Werkzeuge wie Meißel oder Spitzhacke verwischt. Und es konnten bis jetzt auch noch keine derartigen Werkzeuge in der näheren Umgebung gefunden werden. „Außer Feuersteinwerkzeugen haben wir nichts in der Nähe gefunden, was eventuell Aufschluss über die Art oder den Zeitpunkt der Herstellung dieser Skulpturen hätte geben können“, muss Guillaume Charloux eingestehen.

Das Geheimnis ist umso größer, als keine Spuren menschlicher Siedlungen oder Kultstätten in der Gegend gefunden werden konnten. Auch Inschriften, die etwas über die Beweggründe des Künstlers hätten sagen können, derart große Werke in einer derart heißen und trockenen Gegend zu anzufertigen, gibt es keine. „Dieser Ort ist geheimnisvoll und wird es auch noch lange noch bleiben“, kommentiert Guillaume Charloux, für den es bisher nur eine Erklärung gibt: „Möglicherweise hatten die benachbarten Nabatäer eine Siedlung in der näheren Umgebung. Sie trieben Handel mit den Mesopotamiern. Es ist denkbar, dass hier ein alter Handelsweg vorbeiführte und die Stelle eine alte Karawanenstraße markierte.

Demnach war der „Camel Site“ vielleicht der Eingang zu einem sich durch die Wüste schlängelnden Karawanenweg oder eine Grenzmarkierung zwischen zwei Gebieten. Beide Hypothesen machen Sinn. Doch dann gibt es da noch eine dritte Hypothese. Auf den Felsen selbst haben die Archäologen verschiedene kleine Vertiefungen gefunden, sogenannte Schalen- oder Näpfchensteine, die eventuell auf Kulthandlungen schließen lassen und möglicherweise von unzähligen Pilgerhänden auf der Suche nach einem „magischen Pulver“ im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind.

Die Forschungsarbeiten gehen weiter

Der in vieler Hinsicht erstaunliche und rätselhafte Fund lässt noch viele Fragen offen und bedarf noch vertiefter Forschungsarbeiten, um Aufschluss über das Wie und Warum seiner Herkunft, Entstehung und Lokalisierung zu bekommen. „Wir hoffen, jetzt auch das Interesse von Felsenkunstspezialisten geweckt zu haben“, kommentiert Guillaume Charloux.

Und es gibt noch viel zu tun. Zunächst einmal muss der ganze Bereich geschützt werden, eine Aufgabe, die der Saudi Commission for Tourism and National Heritage (SCTH) untersteht, die sich der Bedeutung des Fundes wohl bewusst ist. Im Gegensatz zu den unzähligen Dromedaren, die es hier gibt, sind die Abbildungen ihrer Artgenossen, die hier vor mehr als zweitausend Jahren aus dem Gestein gehauen wurden, wirklich außergewöhnlich.


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