"Oh, ich weine ganz viel im Auto" Annika Lau über ihren Alltag mit Baz und ADHS
Annika Lau spricht offen über die Herausforderungen, die das Leben mit einem Sohn mit ADHS mit sich bringt. Wie geht ihre Familie damit um, und warum sind Tränen im Auto für sie so wichtig?
Annika Lau hält sich selten mit ihren Gefühlen zurück. Mit 47 Jahren und drei Kindern hat die ehemalige GALA-Moderatorin schon einiges erlebt, doch die Diagnose ADHS bei ihrem Sohn Baz verändert alles. Kürzlich sprach sie in GALA erstmals öffentlich und sehr persönlich über ihre neue Familienrealität – und darüber, wie sie die Balance zwischen Erschöpfung, Fürsorge und Selbstschutz findet.
Was ADHS im Familienleben bedeutet
Mit Baz, Lilo und Bruno ist immer was los, aber Baz bringt nochmal ganz eigene Dynamik rein. Seit Jahren nimmt er jeden Morgen seine Medikamente; Annika findet das absolut beachtlich: "Ich finde es herausragend, dass er jeden Morgen seine Medikamente zu sich nimmt. Und er nimmt sie ja nicht erst jetzt, wo er zehn Jahre alt und 1,50 Meter groß ist, sondern schon seit vielen Jahren. Und da, muss ich sagen, ist er extrem stark."
Doch egal wie eingespielt die Familie auch ist—der Alltag bleibt herausfordernd. Besonders die Abende zehren an Annika: Baz ist oft der Letzte, der einschlafen kann, taucht immer wieder auf, will weiterreden. Die "Gleichzeitigkeit" zwischen den tollen und anstrengenden Seiten ihres Sohnes lässt Annika nicht kalt: "Es ist diese Gleichzeitigkeit, die einen verrückt macht. Er ist ja mein Sohn, und mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll. Er ist unglaublich lustig. Superschlau, schnell im Kopf, wenn er möchte. Und dann aber auch wieder so träge und faul."
Druck von außen und die Suche nach dem eigenen Weg
Öffentliche Situationen gleichen meist einem Balanceakt zwischen Fremd- und Selbstbild. Baz redet drauf los, fragt laut in der Kirche: "Warum singt man hier so viel? Warum tanzt man nicht?" Für Annika oft unangenehm – doch inzwischen hat sie gelernt, den gelegentlichen Augenrollen anderer nicht mehr alles recht machen zu wollen: "Ich habe mich daran gewöhnt, dass sie mit den Augen rollen und uns verurteilen. Wahrscheinlich würde ich das sogar auch machen, wenn ich es nicht besser wüsste. Aber zum Glück haben wir mittlerweile gelernt, dass es nicht unsere Schuld ist, sondern es liegt an dieser Krankheit."
Trotz vieler Herausforderungen bleibt sie sich selbst treu – oder versucht es zumindest: "20! Ganz schrecklich. Ich möchte, dass es allen um mich herum gut geht." Für Annika bleibt aber der Schutz von Baz oberste Priorität, auch wenn das bedeutet, sich selbst zurückzunehmen: "Man muss sein Ego komplett zurückstellen. Als Eltern können wir nur dafür sorgen, dass er keinen Schaden anrichtet und ein schönes Umfeld hat, um in der Gesellschaft zu bestehen."
Die Ähnlichkeiten von Baz mit seinem Vater Freddy, vor allem die Unruhe, das ständige Reden und sogar das Verlegen von Dingen, erkennt Annika inzwischen mit einem Augenzwinkern an. Selbst Familienanekdoten, wie Freddys Schlüssel im Gemüsefach, werden zum gemeinsamen Lachen genutzt.
Tränen als Ventil – und warum die Familie heute enger zusammenhält
Was nach außen so souverän wirkt, hat innen oft Risse. Annika hat gelernt, ihre Gefühle zu zeigen. Besonders im Auto, abseits vom Trubel, gibt sie sich die Erlaubnis, loszulassen: "Oh, ich weine ganz viel im Auto. Es ist aber alles okay. Leute! (lacht) Das ist mein Ventil. Ich weine auch auf offener Straße. Ich schäme mich mittlerweile auch nicht mehr so dafür."
Diese Offenheit hat innerhalb der Familie Veränderungen angestoßen. Die ständige Herausforderung ist zur Chance gewachsen: "Ja, wir sind alle gewachsen an Baz, und ich bin ihm super dankbar dafür. Sein ADHS hat viel mit uns gemacht als Familie. Es hat uns viel näher und intensiver zusammengebracht." Die schwierigen Momente formen stabile Bande – etwas, das Annika heute nicht mehr missen möchte.
Verwendete Quelle:
Annika Lau: "Ich weine ganz viel im Auto"
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