„Wie kann es sein“ – das Geheimnis der seltenen Juwelen des Fürstenhauses Liechtenstein
Das Fürstenhaus Liechtenstein zählt zu den reichsten Adelsfamilien Europas – und doch gibt es dort kaum glanzvolle Schmuckstücke, von denen die Welt schwärmt. Warum ist das so? Ein Blick hinter die Kulissen der fürstlichen Schatzkammer wirft unerwartete Fragen auf.
Ein märchenhaftes Vermögen, jahrhundertealte Tradition – das klingt nach funkelnden Diademen, prächtigen Colliers und endlosen Perlensträngen. Aber im Fürstenhaus Liechtenstein sieht die Realität anders aus: In der Schatzkammer in Vaduz finden sich zwei große Diademe, ein wandelbares Collier und ein paar Ohrringe. Diese Bescheidenheit ist kein Zufall, sondern Resultat einer außergewöhnlichen Familiengeschichte.
Vaduz, Wien und das fehlende Protokoll: Die Geschichte im Hintergrund
Das Fürstentum Liechtenstein entstand 1719 durch die Verbindung von Vaduz und Schellenberg und entwickelte seine Souveränität schrittweise ab 1806. Die Herrscherfamilie verbrachte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kaum Zeit im eigenen Land. Die Fürsten lebten vor allem in Wien oder auf ihren umfangreichen böhmischen und mährischen Besitzungen. Erst Franz Josef II. zog 1938 als erster Fürst dauerhaft nach Vaduz.
Während andere Monarchien regelmäßig prunkvolle Hofbälle und Staatsbankette feierten, blieben solche Gelegenheiten in Liechtenstein selten. Fürstliche Juwelen galten als „persönliche dynastische Besitztümer“ – ohne offizielle Planung oder zentrale Regelung. Hersteller und genaue Anzahl der Schmuckstücke sind zwar dokumentiert, doch der Zugang zu den Schätzen wird meist privat und diskret gehandhabt.
Juwelen als Leihgabe und Privatsache: Wo ist das große Erbe geblieben?
Sogar bei Hochzeiten fiel der Schmuck eher schlicht oder geliehen aus. Georgina von Wilczek heiratete 1943 Fürst Franz Josef II. – und trug dabei lediglich einen Blumenkranz, kein Diadem. Bei der Trauung von Sophie, Herzogin in Bayern, mit Erbprinz Alois von Liechtenstein im Jahr 1993 kam der funkelnde Schmuck hauptsächlich von ihrer Mutter. Die berühmte „Douglas Floral Tiara“ und das bayerische Perlen-Diamant-Diadem, einst ein Glanzstück der Königin Maria Theresia von Bayern, waren geliehene Stücke und nicht Teil der eigentlichen Liechtensteiner Sammlung.
Die wenigen erhaltenen Preziosen gelten in der Familie als Leihgabe auf Lebenszeit. Sie werden innerhalb des Hauses weitergegeben, können aber nach persönlichem Wunsch auch verkauft werden. Genau das passierte 2009 mit dem antiken Rubin-Diamant-Diadem, das einst von Kaiser Franz Joseph an seine Nichte Erzherzogin Elisabeth Amalie verschenkt wurde. Nach ihrem Tod gehörte es ihren direkten Nachfahren – und wurde schließlich veräußert. Ein offizielles, zentrales Inventar wie bei anderen Königshäusern? Fehlanzeige.
Mehr Kunst als Glitzer: Warum das Fürstenhaus anders sammelt
Die Antwort auf das „Warum“ führt zurück zum Selbstverständnis der Familie. Das Fürstenhaus Liechtenstein hat über Generationen viel lieber in Malerei, Skulpturen, prachtvolle Paläste und Grundbesitz investiert. Schmuck diente eher als Ausdruck persönlicher Erinnerungen denn als Statussymbol.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie erhebliche Verluste verkraften, insbesondere im heutigen Tschechien, wo ihre riesigen Ländereien enteignet wurden. Kostbare Kunstwerke mussten verkauft werden, um wirtschaftlich zu überleben. Erst Hans-Adam II. – geboren 1945 in der Schweiz – baute die berühmte Kunstsammlung wieder auf. Die kleinen Besitztümer im Schmuckbereich waren dabei kaum eine Priorität. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Dänemark oder den Niederlanden gibt es mit regelmäßigem Staatsterminen und reichen Juwelensammlungen einen ganz anderen gesellschaftlichen Rahmen – in Liechtenstein hingegen sind große Gala-Anlässe und diplomatische Empfänge echte Raritäten.
So bleibt das Erbe der Liechtensteiner Juwelen überschaubar – und gerade das macht ihren Mythos aus. Geheimnisvoll, selten und in Familienhand – ein Schatz, so persönlich wie diskret. „Wie kann es sein, dass die reichste Adelsfamilie Europas nur zwei Diademe, ein Collier und ein paar Ohrringe besitzt?“ Die Antwort steckt in ihrer eigenen Geschichte.
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Verwendete Quelle:
Fürstenhaus Liechtenstein: Die 4 geheimnisvollen Juwelen der Liechtensteiner