Kaum steht sein Name im Abspann, dominiert Tobias Moretti schon die Diskussionen um den neuen Münchner „Polizeiruf 110: Ablass“. Offiziell werden Hauptkommissarin Cris Blohm, gespielt von Johanna Wokalek, und ihr Kollege Dennis Eden (Stephan Zinner) durch die Folge geführt. Aber Morettis Auftritt als Anwalt August Schellenberg macht ihn zum heimlichen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: Er zieht klug, leise und entschieden die Fäden, setzt den Ermittlern Grenzen, wo sie nach einfachen Wahrheiten suchen. Schon allein durch Haltung und einen ruhigen, fokussierten Blick wird seine Präsenz zur „Oberfläche der Reibung“, an der sich Blohm immer wieder stößt.
„Auch durch Haltung, Blick und ruhig gesetzten Satz wird Morettis Anwalt zur Oberfläche der Reibung – ein Widerlager für Kommissarin Blohm, die sich mit einfachen Erklärungen nicht zufriedengibt“, heißt es im Bericht von Gala.
Der Anwalt, der nicht schweigt
Es gibt Krimis, in denen die Gaststars lediglich durchs Bild laufen, dieser gehört nicht dazu. August Schellenberg, von Moretti verkörpert, hält sich nicht zurück. In zwei Ermittlungsfällen, bei denen ein Geständnis vorliegt, bleibt die Wahrheit trotzdem verschwommen:
„Die beiden Münchner Ermittler Cris Blohm (51, Johanna Wokalek) und Dennis Eden (51, Stephan Zinner) werden mit gleich zwei Fällen konfrontiert, bei denen ein Geständnis vorliegt. Aber irgendwie ist trotzdem nichts klar“, zitiert Gala.
Während die Kommissare am Offensichtlichen rütteln, betreibt Schellenberg eine fast provozierende Ruhe. Dabei bleibt Morettis Spiel jederzeit zurückhaltend, beinahe minimalistisch, keine aufgesetzte Mimik, keine laut herausgeschriene Wahrheit. Das erhöht die Spannung: „Oberfläche der Reibung“ ist in dieser Folge wörtlich zu nehmen.
Vom Theater auf den Bildschirm: Morettis steile Karriere
Dass Tobias Moretti viel mehr als „nur“ ein TV-Star ist, wissen Fans schon lange. In den 1990ern wurde er durch die Kultserie „Kommissar Rex“ bekannt und prägte das deutsche Fernsehen. Er absolvierte eine musikalische Ausbildung am Konservatorium, bevor er an die Otto-Falckenberg-Schule wechselte – so zeichnen sich seine Theaterwurzeln ab. Mit Stationen an renommierten Häusern wie den Münchner Kammerspielen, dem Residenztheater und dem Burgtheater zählt er längst zu den Größen der deutschsprachigen Szene. Bedeutende Rollen und Auszeichnungen, wie der Österreichische Filmpreis für „Gipsy Queen“, unterstreichen diesen Werdegang.
Das Land Tirol hat Anfang 2026 einen neuen Preis für darstellende Kunst zu Ehren Tobias Morettis benannt, was seine Anerkennung in Österreich besonders sichtbar macht.
Ein Krimi gewinnt an Größe
Im Zusammenspiel mit dem Ermittlerduo wird Morettis Rolle zur Projektionsfläche: Plötzlich wirkt der Fall komplexer, größer als auf dem Papier. Die Serie profitiert davon. Die Kombination seines jahrzehntelangen TV-Images und der sensiblen, fast schon preußisch genauen Theatertechnik bringt eine neue Dimension in die Episode. Das macht „Ablass“ nicht nur für Fans des Krimiformats, sondern auch für Theaterfreunde zu einem echten Erlebnis.
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Verwendete Quelle:
"Polizeiruf 110: Ablass": Tobias Moretti mehr als nur ein Gaststar


